Sven Regeners Wutrede

22. März 2012

Zitat:  „Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert“.

Die Diskussion geht weiter.

Sven Regners Wutrede

P.S. Dieser Beitrag ist allen gewidmet, die nach „Anti Gema“ googeln 😉

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Nach einer netten Party, saß ich noch mit ein paar Leuten zusammen, als ich gebeten wurde mal im Netz nach Fotos von einem der Freunde zu schauen, auf die er hingewiesen wurde. Diese könnten eventuell nicht unbedingt vorteilhaft für ihn sein. Gesagt getan, ich schaute für ihn bei Facebook nach, da er selber dort keinen Account hat. Er war echt verzweifelt, wegen dieses Hinweises und schlug weiter vor bei  Nachtagenten.de zu schauen. Ich ging also auch die Seite Nachtagenten.de und klickte auf die Rubrik „Events“. Kaum tat ich das,  blitzte ein Foto für gerade mal ein paar Millisekunden auf, das ich selber geschossen und für einen Artikel in einem privaten Blog verwendet hatte. Ich wusste nicht ganz ob ich gesehen hatte was ich meinte gesehen zu haben oder ob ich durch eine falsche Eingabe kurz auf jenem Blog gelandet bin, schliesslich kamen wir von einer Party. Als aber ich noch einmal auf  „Events“ klickte erschien dieses Foto wieder und es war klar, dass mich ich nicht vertan hatte. Es befand sich ein von mir geschossenes Bild auf der deren Seite, das ich dort nicht hochgeladen hatte und dem Anschein nach nicht von einem User eingestellt wurde.
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(Screenshot | Nachtagenten.de 20.09.2009)

Wir waren alle ein wenig amüsiert angesichts der Tatsache, dass Nachtagenten.de ein Dienst ist der u.a. seine „Agenten“ losschickt um Fotos auf diversen Veranstaltungen schiessen zu lassen. Somit müssten sie doch über ein beträchtliches Fotoarchiv verfügen. Und dann holen die sich einige ihrer Fotos einfach irgendwo aus dem Netz?
Einer meiner Bekannten, die neben mir saßen ist Fotograf und wir  unterhielten uns über die üblichen Vorgehensweisen für die  Nutzung von Bildern. Ich erzählte ihm das ich das Bild vor ca. fünf Jahren mit meiner Handykamera aus der ehemaligen Wohnung meiner Freundin geschossen und erst ein paar Tage vorher in dem Artikel verwendet habe. Ohne Wasserzeichen, Namen oder Hinweis auf Urheberrechte.
Also schrieb ich den Nachtagenten (via Account) eine Mail und vorderte sie auf, mir einfach zu schildern, in wieweit sie sich als „kommerzieller Service“, an Urheberrechte halten und wie sie Rechte bzw. Lizenzen für ihren Content einholen. Ich nehme an, dass die Nachtagenten sich über Werbeanzeigen finanzieren und somit als kommerziell anzuesehen sind. In diesem Fall hätten sie nämlich gegen ihre, für die User geltenden Nutzungsbedingungen verstossen.

Zitat: „Der Fotograf sichert zu, dass er das alleinige Urheberrecht und das Recht bzw. die Erlaubnis auf Veröffentlichung seiner Fotos besitzt. Allein der Fotograf ist für die Inhalte seiner auf Nachtagenten hochgeladenen Fotos verantwortlich.
[…]
Bilddatenbanken, Bildkataloge, kommerzielle Webseiten bzw. andere kommerzielle Produkte sind als kommerzielle und nicht eigenständige Werke anzusehen.“

Natürlich wies ich auch auf den Zweck hin, für den sie mein Foto verwendeten (Flashmobaufruf gegen die Schliessung der Clubs unter der Sternbrücke). Nichts desto trotz war ich neugierig auf eine Stellungnahme.
Ein paar Tage später kam dann auch die Antwort des Verantwortlichen. Dieser wies auf den nicht-kommerziellen Zweck des Aufrufs hin und da ich gelegentlich im Waagenbau freiberuflich tätig bin habe er sich weiter keine Gedanken gemacht. Ausserdem wusste er nicht, dass das Copyright bei mir liegt. Google hätte es ihm „ausgespuckt“ und man könne es natürlich entfernen, wenn ich ein Problem damit hätte.
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen das man sich aus dem Hamburger Nachtleben kennt, was ich aber erst aufgrund des in der Antwort des enthalten Absenders feststellte und mir so auch die Formulierung der Antwort erklären konnte.

Letztere war erwarteter Weise nicht sonderlich befriedigend ausgefallen, da ich mit „kommerziell“ nicht den Aufruf, sondern deren Seite meinte und ich selbstverständlich wusste das man sich mein Foto einfach aus dem Netz geholt hatte. In meiner Mail hatte ich schliesslich  auch erklärt, dass eine mögliche Absprache im Vorfeld hätte stattfinden müssen und ich das Bild für den, im Grunde genommen, selben Zweck, der mir sicherlich am Herzen liegt, verwendete. Allgemein wirkte es jedenfalls für mich so, als ob die Nachtagenten selber und nicht einer ihrer User das Foto hochgeladen hätte. Was sich ja auch bestätigte. Das angebotene Gespräch habe ich bisher nicht in Anspruch genommen und das Foto wurde inzwischen durch ein neues (Herkunft unbekannt) ersetzt.

Insgesamt finde ich es eher interessant  direkt zu erfahren was mit seinen „Erzeugnissen“ im Netz passieren kann. Die Vorstellung allerdings, dass das eigene Foto oder gar Abbild für Internetseiten bzw. Zwecke missbraucht wird mit denen man sich in keiner Weise identifizieren kann oder die genau entgegengesetzt der eigenen Absichten, Ansichten, Einstellungen oder Meinungen liegen (anders als in diesem Fall ! ) ist eine Horrorvorstellung. Es gab in meiner Familie einen solchen Fall, gegen den unbedingt gerichtlich vorgegangen werden musste. Übrigens Erfolgreich.

Das durch das Internet neue Ideen für die Nutzung von Musik, Fotografie, Texten, Film etc. gefragt sind und die alten Gesetze nicht mehr zeitgemäß sind, ist ebenfalls Thema des genannten Blogs. Die Nutzung, Verwertung und Verbreitung dieser Dinge durch Dritte im WWW wird allgemein  ja auch schon seit langem heiss diskutiert. Konzepte wie „Creative Commons“ sind, meiner Meinung nach, gute Ansätze um diese Problematik neu an zugehen. Auch für die Nachtagenten.

all 2gether now

2. September 2009

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Die popkomm ist tot – lang lebe die popkomm. Das mag der Zweifler angesichts dieser Nachricht denken. Allerdings ist der alternative Musikindustrie-Messe die unter dem programmatischen Namen „all 2gether now“ firmiert zumindest ein sinnvollerer und engagierterer Ansatz zuzugestehen.

Vom 16. bis zum 18. September soll in Berlin eine Zusammenkunft von Menschen aus den verschiedensten Bereichen der Musikindustrie stattfinden, um Gedanken und Meinungen über die Zukunft der Musik (hah!) und deren Vermarktung auszutauschen.

Näheres hierzu auf der nächsten Seite.

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Heilloses Durcheinander

19. Juni 2009

Die Popkomm fällt aus! Zu geringe Beuscherzahlen, außerdem wolle man ein Zeichen setzen, die Politik müsse endlich etwas tun!

„Kein rechtsfreier Raum Internet!“ rufen die einen. „Alles für alle – und zwar umsonst!“ die Anderen. Wer will eigentlich was? Generell sind es die Vertreter des traditionellen Zweiges, welche sich gegen eine volle Ausschöpfung des Neuzeitwunders Internet aussprechen.

IRAN – Welch gutes Beispiel! Es ist meines Ermessens das erste Mal, dass das Internet zeigen darf, was es kann. Die Welt weiß Bescheid, wir sehen Videos, lesen Blogs, wissen, wo welche Demo ist, bevor die Polizei da ist. Dabei ist das alles verboten, nicht nur, weil die Mullahs es so wollen, auch werden die ins Internet gestellten Beiträge jegicher Art ja ohne zu Fragen weiterverbreitet; gerade dies macht ja die Macht des Mediums aus. Nun gut, der Bogen ächzt, weit habe ich ihn gespannt. Aber es wird.

Die Presseverlage plädieren für einen stärkeren Schutz ihrer Rechte, sonst, so drohen sie, sei Schluss mit seriösem Journalismus. Ham wa doch schon ma gehört. „Achtung, Achtung! Bald gibt’s keine gute Musik mehr, denn ohne Geld gibt es keinen Schaffensantrieb!“ … stimmt doch gar nicht. Siehe „Good Copy, Bad Copy„. Siehe Nachrichten aus der Islamischen Republik. Und ich – ich mach auch gute Musik. Und ich schreibe auch gute Sachen. Und all das will ich durchs Internet jagen, auf dass ein jeder sich dran erfreue, der es versteht, sich zu freuen.

Nebenbei: Anfang des Jahres fand in Berlin eine Messe unter dem Namen „Audiopoverty“ statt. Guckt mal unter audiopoverty.de, viel viel interessantes Zeug, Querverweise, Künstler, Kritiker, Freaks, alle kommen sie zu Wort. Unter „Archive“ findet sich fast das gesamte Program der Messe in Schriftform, dazu Podcasts und Videos. Eine Bitte hätte ich: Lasst mir ein Thema übrig, denn ab jetzt feiere ich Geburtstag. olley

Copyleft

12. Mai 2009

Datei:Copyleft.svgDas Copyleft im Gegensatz zum Copyright© erzwingt die Freiheit des Urwerkes. Es beschreibt in welcher Form Änderungen gemacht werden dürfen, und wie die Werke, die aus einem freien Urwerk entstanden sind, lizenzrechtlich zu behandeln sind. Das Copyleft gibt also ein Werk grundsätzlich frei, regelt aber die Bedingung der Weitergabe (z.B. nicht-kommerziell) und die Bedingung der Weitergabe der Folgewerke eines Urwerks. D.h., dass der Schaffer des Urwerks auf Grund seinen Urheberrechtes alle späteren Bearbeitungen und Einbindungen seines Urwerkes in anderen Werken (Sampling, Mashup, Remix, etc.) seine Lizenz „aufzwingen“ kann. Jeder der das Urwerk benutzt, muss das Folgewerk also unter derselben Lizenz herausbringen. Während das Copyright nur die Exklusivrechte der Urheber schützt, indem es alle Anderen unter Strafandrohung davon ausschließt, beschützt das Copyleft die Freiheit aller Anderen, urheberrechtlich geschützte Werke praktisch so zu benutzen, als gäbe es kein Urheberrecht.

Für Musik ist die am häufigsten gebräuchlichste Copyleft-Lizenz die Creative Commons („schöpferisches Gemeingut „)- Lizenz. Die CC-Lizenz ist modular aufgebaut. Der Künstler kann sich sozusagen seine Bedingungen für sein Werk selbst zusammenstellen.

Die Grundmodule sind folgende:

by: Namensnennung: Der Name des Autors muss genannt werden.

nc: Nicht kommerziell: Das Werk darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden, womit nach EU-Recht auch der Verkauf zum Selbstkostenpreis verboten wird.

nd: Keine Bearbeitung: Das Werk darf nicht verändert werden.

sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen: Das Werk muss – auch nach Veränderungen – unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden.

Zusätzlich gibt es neuerdings ein Modul das abgeleitete Werke nur in Form von Sampling oder Mashups erlaubt (Interessant für eine kommerziellen Vermarktung, bei der der Künstler trotzdem anderen Künstlern das Sampeln und Vermarkten offen lassen will, aber keinen Mix o.ä. will).

Aus diesen Modulen lassen sich recht interessante Lizenzen zusammensetzen: Z.B.

by-nc-nd : Namensnennung, nicht-kommerziell, keine Bearbeitung

oder

by-nc-sa: Namensnennung, nicht-kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen

oder einfach nur

by: Namensnennung (sonst ist alles erlaubt! Weitergehender Rechtsverzicht)

Der CC-Lizenztext muss immer auf das länderspezifischen Urheberrecht angepasst werden, damit es international vergleichbar ist. Copyleft ist eine wunderbare Idee für Leute, die ihre Werke frei zugänglich machen wollen, aber trotzdem noch immer einige Bedingungen dazu stellen wollen, um sicherzugehen, dass mit ihren Werken noch in einen bestimmten Rahmen umgegangen wird (nicht kommerziell, Name, etc.).

Btw:
Creative Commons License
Copyleft von Ruben Hittmeyer steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.