How much do music artists earn online?

via http://www.informationisbeautiful.net/2010/how-much-do-music-artists-earn-online/

Die Blogrebellen berichten in einem aktuellen Blogbeitrag über neue algorithmische Maßnahmen bei den großen Streamingdiensten wie Spotify und iTunes(Radio), die den Loudness War zwar vielleicht nicht beenden, aber doch nachhaltig beeinflussen könnten. Die Kernidee ist, die Lautheit der Stücke in einem Stream automatisch angleichen – wohl um für Homogenität zu sorgen, was ja jeder gute DJ so tun würde. Die passiert allerdings auf einem eher niedrigen totalen Lautheits-Niveau, was dazu führt, dass hochkomprimierte Stücke ihren scheinbaren Vorteil verlieren und im Vergleich zu Musik, die eher dynamisch gemischt sind, in puncto subjektiver Qualität schlechter dastehen. Aufgrund der Marktmarkt der großen Streamingdienste und Internetradios könnte dies also zu einem Umdenken der Produzenten führen, so der Mastering-Guru Bob Katz, der ein Ende des Loudness-Wars für Mitte 2014 prophezeit

Es wurden ja schon verschiedene Beiträge zu diesem Thema geposted …

http://www.arte.tv/de/mit-der-fun-music-objekte-haben-eine-seele/7282782.html

hier geht’s um die zukünftige dj-technik, den tod des vinyls und wie sich alles so in den letzten jahren entwickelt hat – interessant:

http://www.djtechtools.com/2010/04/14/tiefschwarz-interview-the-death-of-vinyl-and-big-labels/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+djtechtools+%28djtechtools.com%29&utm_content=Google+Reader

What’s that?!

15. März 2010

Wahrlich die Zukunft der Musik:

Nun ist es amtlich (und mittlerweile teilweise schon widerrufen…):

Abbey Road Studios 4 Sale!

Die ehrwürdigen Hallen, in denen die Beatles „All You Need Is Love“ aufnahmen, in denen Radiohead ihr „OK COMPUTER“ Album erschufen, in denen Robby Williams ein und aus ging: Diese ehrwürdigen Hallen stehen nun ür jeden Erdenbürger (mit 30 Millionen Pfund auf dem Konto) zum Kauf bereit. Der traurige Höhepunkt eines Trend, der sich schon seit Ende der 90’er Jahre abzeichnet. Und auch in der Nähe Hamburgs steht derzeit ein Studio von Weltklasse mit riesigem Live Room, einer unendlichen Auswahl an einzigartigen Mikrofonen und erlesenem Outboard Equipment zum Verkauf: Die Voxklangstudios bei Bendestorf.

Im Einzelnen möchte ich nicht auf den Grund für das Sterben speziell dieser Studios eingehen, aber dennoch Ideen sammeln diskutieren, warum (und ob)  die großen und schließlich auch die kleinen Tonstudios in dieser derzeitigen Musikindustrie eines nach dem anderen schließen (werden).

Die Budgets für Albumproduktionen sind seit Beginn der großen Krise der Plattenfirmen deutlich gesunken. Independent Bands z.B. im Rock/Metal Bereich erfahren heute nur noch selten bis überhaupt keine finanzielle Unterstützung mehr. (Anmerkung: Ich arbeite momentan mit einer Mittelalterband, die das Glück haben, tatsächlich noch gefördert zu werden. Dennoch zahlt die Band die Hälfte der Produktion selbst – dies ist aber nach meiner Beobachtung eine riesige Ausnahme).

Somit beläuft sich das Budget einer 4-köpfigen Band (ohne Labelunterstützung) im Schnitt auf selbst zu zahlende 3000 €. In meiner Erfahrung ist das die oberste Schmerzgrenze für die meisten kleinen Bands, die sich mit Tagesjobs am Leben halten, und abends die Clubs „rocken“.

Bei einem angenommenen Mindesttagessatz von 350 € eines kleinen Studios (Voxklang werden dagegen geschätzt mind. 1000 €/Tag allein an Miete kosten, Abbey Road 2000-3000 €) hätte die Band somit gut 9 Tage Zeit für Aufnahme, Editing, Mix, Mastering. Für eine international konkurrenzfähige Top-Produktion wären bei dieser geringen Zeit maximal 2 Songs möglich (Erfahrungswerte). Dies wäre also nicht mal eine EP (~3-4 Tracks)!

Dennoch: Kleine Studios kämpfen ums Überleben – und unterbieten sich im Preis gegenseitig. Also werden Studiowochenenden zu Dumpingpreisen angeboten: 350 € für Freitag-Sonntag – nehmt an einem Wochenende hier eure EP auf! Selbst große Studios (z.B. Boogie Park Studios Hamburg) beteiligen sich an dem Preiskrieg und bieten Bands fragwürdige Produkte unter dem Selbstkostenpreis an.

Die Konsequenz: Mittelmäßige bis peinlich schlechte Produktionen werden abgeliefert. Der Markt wird überschwemmt mit furchtbar verzerrten, uninspirierten musikalischen Kreationen. Musik aus der Konserve verliert an Wert – denn es wurde von Anfang an darauf geachtet, möglichst wenig Aufwand & Geld in die Aufnahme zu stecken.

Michael Jacksons Thriller Album wurde nicht in 1 Woche aufgenommen, gemischt und gemastert. Es wurde mit viel Experimentierfreude, Wissen und letzten Endes Zeit und Budget erstellt. Klanglich heute ein Meilenstein im Pop-Genre – auch dank der finanziellen Unterstützung der großen Plattenfirmen. Dagegen werden heutzutage klanglich fast ausschließlich Tiefpunkte generiert (dies ist natürlich eine rein subjektive Meinung, dies es zu diskutieren gilt).

Die Konkurrenz im Tonstudiosektor ist groß wie nie. Jeder 14-jährige Schüler mit einem 90 € Firewire Interface, Cubase SX3 und der gecrackten Waves Diamond Bundle nennt sein Kinderzimmer ein „Studio“. Erfahrung, Wissen und Können gelten heute viel weniger als Argument für eine Band, in Studio XY ihre Werke für die Ewigkeit festzuhalten. Der Preis – und oftmals NUR der Preis bestimmt die Aufnahme heute.

Es kommt die Frage auf: Wie überlebt ein Studio von 150 €/Tag bei Mieten von 1000 €/Monat und Equipment im Wert von mehreren 10,000 €? Ganz zu schweigen von der Bezahlung der hochqualifizierten Techniker und Produzenten (mind. 2000 €/Monat)!

Über Ideen, wie die Zukunft der Musikproduktion aussehen wird, bin ich sehr gespannt ! Lasst uns darüber im Blog weiter diskutieren! Einige brennende Fragen:

  • Werden zukünftige Musiker (so wie im übertragenden Sinne auch Maler) ihre Werke noch selbst erstellen ?
  • Wird jeder Musiker mit rudimentären Kenntnissen und VST-Presets selbst mischen und nur noch auf einen Mastering-Engineer zurückgreifen für den letzten Schliff?
  • Werden große Studios doch wiederkommen, weil sich die Musikindustrie erholen wird?
  • Werden Homestudios den Tonstudiomarkt dominieren und sich weiter gegenseitig unterbieten?

Ich freue mich über eure Beiträge!

Schließlich noch ein wirklich lustiges Video über den (leider wahren) Alltag eines Mastering Engineers, in der Kontakt eines budgetlosen Musikers mit einem professionellen Tontechniker gezeigt wird. Bitte seht euch dieses Video an,  denn es hat viel mit diesem Artikel gemeinsam.
http://www.xtranormal.com/watch/2868571/

Zukunft des Punks?

5. Februar 2010

Donnerstag Nacht, drei Uhr. Das kleine Zimmer ist verqualmt, auf dem Schreibtisch türmen sich leere Bier- und Sektflaschen, der Aschenbecher ist bis zum Anschlag gefüllt und über den Boden kullern kryptische Bleifiguren. Ein angebranntes Käsefondue steht in der Gegend rum und trägt eine eigene Geruchs-Note zu dem Abend bei. Es ist Silvester.

Ungefähr 20 Tanzwütige springen über Couch und Sessel und bewegen sich ausgelassen zu ohrenbetäubender Elektromusik, die aus der Anlage schallt. Am Ende des Zimmers, direkt neben dem Sektflaschenturm, steht ein Notebook. Zwei wild mit den Beinen wippende Partygäste stecken die Köpfe zusammen und spielen DJ. Doch statt über Turntables oder CD-Player, statt per i-Tunes-Playlist oder Mp3-Stick, kommt die Musik heute direkt aus dem Web. Circa zehn Tabs sind geöffnet und es warten verschiedenste Remixes darauf gespielt zu werden. Youtube-Dejaying könnte man dieses Phänomen taufen. Die Datenbank dieses Videoportals hat einfach mehr und vor allem aktuelleres zu bieten, als die Festplatte des Partygastgebers. Musik wird in dieser Nacht gestreamt. Von Youtube, genauso wie bei all den anderen Anbietern. Ob MySpace, LastFM oder Deezer, alle tragen etwas bei zum Silvestersoundtrack.

Und tatsächlich ist besagtes Streaming nicht nur eine Art der Musikrezeption, die Einzug gehalten hat auf verrauchte Privatparty, sondern eine gängige Methode Musik zu hören, es ist etwas Alltägliches. Laut einer britischen Studie der Marktforscher von Music Ally nutzen Kinder und Jugendliche heute immer weniger Tauschbörsen, um an ihre Musik zu kommen. Musik wird stattdessen direkt über Streaming- und Videoportale im Netz gehört. Bei einer Anwender-Befragung stellte sich heraus, dass die Zahl regelmäßiger Tauschbörsen-Nutzer von Dezember 2007 bis Januar 2009 um etwa ein Viertel zurückging. Besonders extrem ist die Entwicklung in der Altersgruppe zwischen 14 und 18 Jahren. Vor etwas über einem Jahr noch gaben 42 Prozent an regelmäßig Filesharing-Plattformen zu nutzen. Jetzt waren es nur noch 26 Prozent.

Ein wichtiger Grund für die Entwicklung besteht darin, dass viele User Songs herunterluden, die sie aus aktuellem Interesse nur ein oder ein paar Mal hören wollten. Nur warum sollte man Musik illegal downloaden, die ohnehin im Netz frei und immer verfügbar ist. Die Streaming-Seiten stellen hier im Vergleich die deutlich bequemere und auch schnellere Alternative dar. Auch die weitere Entwicklung ist abzusehen. Je weiter sich das Internet verbreitet, je leichter dem User der ständige mobile Zugang gemacht wird und je mehr der einzelne Anwender eigene Daten und Programme online abrufbar speichert, desto mehr wird sich auch die Musikrezeption in Richtung der Onlineportale verlagern. Die Musikindustrie freut sich an dieser Entwicklung, denn auf Seiten wie Youtube oder Last.fm sind die großen Plattenfirmen an den Werbeeinnahmen beteiligt.

Den Partygästen ist es egal, ob die Musik gestreamt oder downgeloaded ist. An die schlechte Mp3-Qualität hat man sich längst gewöhnt. Es ist sowieso vor allem laut. Am Neujahrstag finden sich einige der gespielten Tracks als Anhänge von Facebook-Pinnwand-Einträgen im Netz verlinkt wieder. Man erinnert sich. Doch so richtig nachhaltig ist der Musikkonsum über Streaming-Portale wohl nicht. Schnell und neu und aktuell, ja. Aber vieles bleibt ein einmaliges Hörvergnügen, vieles geht verloren, vor allem der Überblick.

Ich bin heute mehr oder minder zufällig über das Beatmaps Projekt von Facial Removal Service gestolpert, siehe auch hier für interessante Kommentare und Links.  Ich muss sagen, ein sehr inspirierendes Projekt, das man zur Locative Art rechnen kann, was wiederum unter Augmented Reality fällt. Also total hip…

Das Prinzip ist im Prinzip simpel und modernste Technik, die man heutzutage ja an jeder Straßenecke nachgeworfen bekommt (wenn man genügend Euro zurückwirft) macht es möglich: Nehme deine GPS-Koordinaten und bilde sie auf irgendetwas ab zum Zwecke der der Steuerung von irgendetwas. Hier: Beats & Loops, aber man kann natürlich auch alles andere nehmen.

Da kamen doch gleich Visionen bei mir auf, allerdings genau die, die Jesse Stiles und Richard Pell (und vor Ihnen auch schon andere, z.B.  AudioNomad) gehabt haben.  Vor allem sehe ich aber noch eine mögliche Verbindung mit den Situationisten, die mir gerade viel im Kopf rumspuken, und ihrer Idee von Psychogeographie und dérive, heißt: die bewusste Erfahrung (oder besser Ergehung) des urbanen Raums in seinen psychologischen Dimensionen, generell das Aus-, Um- und Neudeuten von Orten und Archtitekturen,  u. a. durch zielloses aber absichtsvolles Herumstreifen und Sich-Verirren.

Also los:  Die Stadt wird auf sich überlappende Gebiete abgebildet, die jeweils einem Musikstück entsprechen, die Überlappungen sind Cross-Fading-Zonen. Und dann nehme man ein Streaming- und GPS-fähiges device und streife durch die Stadt, gleichsam geisterhaft begleitet durch den Soundtrack, den eine unbekannte Macht (=eine konspirative musikgeographische Geheimgesellschaft o.ä.)  ausgelegt hat. Sagen wir: Elektrotracks in Wilhemsburg, Hiphop in Steilshoop, Jazz in Eimsbüttel, Schlager in Norderstedt, Klassik in der Innenstadt, Punkrock in St. Pauli… (es geht natürlich auch origneller…)

Und so ein System wäre sicherlich auch dazu geeignet, die eigene Playlist in Abhängigkeit davon, wo man sich gerade in der Stadt befindet, automatisch zu generieren.

Wer kann iPhone Apps programmieren?!