Gema Debatte reloaded

27. Februar 2013

So langsam fragt man sich wirklich, was in deren Köpfen los ist? Den ganzen Artikel braucht man an sich nicht zu lesen, das reicht:

Reindlmeier: Sofern Sie eine Datei innerhalb eines Datenträgers von einem Verzeichnis in ein anderes verschieben, handelt es sich nicht um eine Vervielfältigung. Wie Sie richtig feststellen, wird lediglich der File-Index, also die Adresse, an der sich die Datei befindet, geändert.

Debug: Ist also, wer, sagen wir mal aus Platzmangel, legal gekaufte Dateien vom eigenen Rechner löscht, auf eine externe Festplatte kopiert, für den DJ-Abend dann von der externen Festplatte löscht und wieder auf den eigenen Rechner kopiert, d.h. zu keinem Zeitpunkt mehr als eine Instanz von einem File hat, in der Pflicht diese Tracks zu lizensieren, oder nicht?

Reindlmeier: Sofern Sie die legal erworbene Datei auf eine externe Festplatte überspielen, handelt es sich um eine Vervielfältigung. So weit, so gut. Verwenden Sie nun aber die externe Festplatte zur öffentlichen Wiedergabe, müssen Sie diese Vervielfältigung zum Zwecke der öffentlichen Wiedergabe lizenzieren, also dafür bezahlen.“

http://de-bug.de/medien/archives/welche-djs-mussen-gema-zahlen.html

Go, sign yourself!

19. April 2010

Simon Clayton und Julia Clark-Lowes hatten eigentlich alles erreicht, wovon Musiker träumen: Sie hatten einen Plattenvertrag, tourten mit ihrer Band The Indelicates in Europa und den USA, spielten als vielversprechender Newcomer auf dem South by Southwest in Texas. Ihr erstes Album „American Demo“ erntete gute Kritiken, sie eröffneten eine gesamte Europatournee für Art Brut, alles lief blendend an. Doch das Album verkaufte sich nicht so recht, die Touren deckten gerade so eben die Reisekosten und mussten mit den Alltagsjobs der Bandmitglieder koordiniert werden, die aufzugeben sie sich nicht leisten konnten. „Wir hatten ohnehin nicht damit gerechnet, mit unserer Musik reich zu werden“, erzählt Simon, „aber wir haben schlicht gar nichts damit verdient.“ Das kann man auf die rückläufigen Plattenverkäufe im Allgemeinen schieben, doch so einfach machten es sich die Indelicates nicht. Sie forschten nach den Hintergründen.

Das Ergebnis war frustrierend: Fast die gesamte Promotionsarbeit für das Album hatten die beiden selbst in die Hand genommen, weil ihre Plattenfirma sich offenbar nicht recht dafür einsetzen wollte. Ausgerechnet zum Weihnachtsgeschäft stand das Album in ihrem Heimatland England nicht in den Plattenläden. Sie blieben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück – und es war nicht einmal ihre eigene Schuld.

Sie verhandelten mit dem Label. Sie baten darum, aus dem Vertrag entlassen zu werden. Der Alptraum vieler junger Bands, die gerade ihr Debut veröffentlicht haben und am Zweitwerk arbeiten, wurde ihr Primärziel: gedroppt werden.

Die Aufnahmen des zweiten Albums finanzierten sie aus eigener Tasche. Der ständige Kontakt mit Fans und Freunden über Facebook, Twitter und die Band-Website half dabei. Simon und Julia gingen neue Wege. Sie dachten sich ungewöhnliches Merchandise aus. Sie kochten „Indelicates-Fudge“ und verschickten die Süßigkeit in hübschen, handgefertigten Verpackungen. Sie veröffentlichten ein Buch mit alten Gedichten, Songtexten und Liner-Notes zum ersten Album. Gedruckt wurde die erste Auflage vom Geld der Käufer, die gerne ein bisschen länger auf die Lieferung warteten als gewohnt.

Nun ist „Songs for Swinging Lovers“ fertig. Sie mussten sich vor keinem A&R rechtfertigen, keine Single produzieren, sich von niemandem reinreden lassen. Für die Veröffentlichung haben sie ihr eigenes Label gegründet: Corporate Records. Die Idee dahinter ist folgende: Signen kann man sich bei Corporate Records selbst. Man lädt seine Musik und sein persönliches Artwork hoch, verbreitet dies bei Freunden und in Foren, verlinkt direkt von Myspace- und Facebookprofilen, macht seine eigene Werbung. Für diejenigen, denen es unangenehm ist, sich selbst über den grünen Klee zu loben, gibt es einen Promozettel-Generator auf der Seite, der, mit ein paar Informationen gefüttert, ein Loblied auf das eigene Werk ausspuckt, das in Punkto Beliebig- und Belanglosigkeit den Waschzetteln bekannter Plattenfirmen locker das Wasser reichen kann – nur einer von vielen humorvollen Seitenhieben gegen die alte Industrie.

Pro Song oder Album kann man einen Preisvorschlag angeben, aber im Großen und Ganzen entscheidet der Käufer, was ihm die Kunst wert ist. „Songs For Swinging Lovers“ hat den Indelicates auf diesem Weg binnen weniger Tage schon über 2000 Pfund eingebracht – das Studio für die Aufnahmen hat 5000 gekostet.

Alle Rechte verbleiben beim Künstler selbst. Jeder kann entscheiden, ob er sein Werk gleichzeitig auch woanders verkaufen möchte. So kauft man selbstredend zukünftig sicher keine Platten mehr von Künstlern, die man noch nie gehört hat, weil das richtige Plattenlabel Qualitätsgarant ist. Aber vielleicht muss man sich trotz aller Nostalgie von alten Hüten irgendwann tatsächlich einfach trennen, weil sie längst angefangen haben, muffig zu riechen.

Corporate Records ist „a record company that reflects, accepts and delights in the post-internet music market. We want our files shared. We want our data to flow freely. We believe in celebrating abundance rather than falsely manufacturing scarcity“, wie in dieser Pressemitteilung weiter ausgeführt wird:

http://docs.google.com/Doc?docid=0AWXM5KI1s9zhZGNzNnJod185NmZ6NjQ4Nmhn&hl=en&pli=1

http://corporaterecords.co.uk/whycorporate

WMG_logo_00youtube

Das Videoportal Youtube hat sich nach Monaten mit der Warner Music Group über die Lizensierung von Musikvideos geeinigt. Somit sind die Videos aller  Künstler wie z. B. Madonna oder Greenday wieder auf Youtube zu sehen. Der Vertrag ist auf mehrere Jahre festgelegt.
Die Videos mussten von Google Inc’s YouTube im Dezember 2008 aus dem Portal entfernt werden. Jetzt dürfen Videos aller großen Labels (EMI Music, Universal Music, Sony Music Entertainment & Warner) wieder angeboten werden.
Laut Abendblatt.de einigte man sich darauf, dass: „YouTube künftig mehr als die Hälfte der Einnahmen aus dem verknüpften Anzeigengeschäft an Warner Music abführt.“  Konkrete Summen sind nicht genannt worden.
Es ist weiter ein Musikvideoportal namens „Vevo“ (Universal / Sony) im Gespräch, das YouTube-Technologie verwenden soll und dem Warner jetzt durch den neuen Deal jetzt beitreten könnte.

Quellen:
http://www.reuters.com/article/technologyNews/idUSTRE58R5JM20090928
http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE58T03D20090930
http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article1207893/YouTube-zeigt-wieder-Videos-von-Warner-Stars.html
http://youtube-global.blogspot.com/2009/09/warner-music-comes-back-to-youtube.html

Stolpere ich doch heute morgen beim herbstlichen Frühstück über eine kurze Meldung in der Hamburger Morgenpost: „Die Musikindustrie  will 2013 wieder wachsen“.  Das sind ja ganz neue Töne! Sind dann die Krise und das ewige Lamento die unendlichen Diskussionen (endlich) vorbei? Man darf gespannt sein.

Nachlesen: Hier und hier und an tausend anderen Stellen…

Google Music China

Google Music China

Ich muss zugeben, die Vorstellung, sämtliche (veröffentlichte) Musik such, find- und hörbar auf einer Website zu haben, und – besser noch – diese dort auch kostenlos und legal herunterladen zu können… das trägt in der Tat gewisse paradiesische Züge. Googles neue Musikseite in China kommt diesem Garten Eden anscheinend schon recht nahe. Leider gibt es das eine oder andere kleinere Sprachproblem, so dass unsereins diesen Serice nur schlecht austesten kann, und sowieso: der kostenlose Download funktioniert nur in China. Aber hier gibt es eine sehr interessanten und ausführlichen Artikel, der Googles chinesischen Musikservice beschreibt und der einem schon mal das Wasser in den Ohren zusammen laufen lassen kann…

Apropos: Kennt jemand Software, die chinesiche IPs emulieren kann?! 🙂

CwF + RtB = $$$ ???

19. Juli 2009

Ich bin auf einen sehr interessanten Vortrag von Michael Masnick gestoßen, den ich gerne mit euch teilen möchte.
Michael Masncik stellt dabei Nine Inch Nails und deren Mastermind Trent Reznor samt seiner ständig neuen
Vermarktungsmethoden dar.

Dabei kommt Masnick immer wieder auf die Formel :
CwF + RtB = $$$

CwF = Connect With Fans
RtB = Reason To Buy

Masnick beschreibt, dass diese Art der Vermarktung und „Kundenbindung“ sowohl für kleine als auch für große Bands
funktionieren kann. Eindrucksvoll zeigt er Reznors Methoden auf, die Zahlen sprechen für sich :

Amazon erklärten 2008 NIN’s Album zum meistverkauftesten Online Album (per Download) >> obwohl das Album auch frei von der NIN Webpage geladen werden konnte
bzw. frei über Torrents (dank creative common license) legal downloadbar war…

Ist das die Zukunft der Musik (industrie) ?

Wer bekommt noch einen Plattenvertrag?
Und wie wird man heutzutage als Band erfolgreich?

sellaband

Die Idee
Jede Band kann sich auf SellaBand.com kostenlos registrieren und eine eigene Seite mit 3 Demosongs einrichten. So genannte „Believer“ können Anteile an diesen Bands kaufen. Ein Anteil (Part) kostet 10$, sind 50.000$ zusammengekommen, geht die Band ins Studio und macht eine professionelle Aufnahme. Die Einnahmen der Cd werden zwischen der Band und ihren „Believern“ geteilt. Außerdem bekommte jeder Anteilträger nach höher ihrer Investitionen noch etwas geboten, von der signierten Cd bis zur Reise ins Studio. SellaBand finanziert sich über die Zinsen des der Anteile, die sich bis zur Aufnahme ansammeln. Bis zur Aufnahme sind alle eingestellten Demosongs für alle Nutzer verfügbar. Es wurde eine Partnerschaft mit der britischen Seite von Amazon.com eingegangen. Nunmehr zeichnet Amazon von jedem Künstler, der US$ 30.000 erreicht, 100 Parts und vertreibt die CDs über die eigene Seite. Außerdem gibt es soziale Netzwerke rund um Sellaband, so hat jeder Believer oder Artist die Möglichkeit sich auszutauschen. Inzwischen gibt es eine reihe von Seiten mit einem ähnlichen Konzept, z.B. formyband.com

Pros
– Jede noch so kleine Band hat die Möglichkeit, ihre Musik vorzustellen und hat die Chance eine professionelle Studioaufnahme zu bekommen.
– Die Believer nehmen an dem Prozess des Musikvertriebes direkt teil und haben einen Einfluss auf ihre Lieblingsband.
– Die Künstler behalten die Kontrolle über ihre Musik.
– Bisher haben 32 Musiker und Bands über die Website jeweils 50.000$ gesammelt.
– Zurzeit sind über 2 Millionen Dollar in Bands investiert.

Cons
– Es gibt Charts auf der Seite, wer bisher am meisten Geld gesammelt hat, wir mit hoher Wahrscheinlichkeit eher noch mehr bekommen, als die schlechter positionierten Bands.
– Die Bands müssen sich selber vermarkten, Sellaband rät dazu über Medien wie Facebook, Myspace usw. auf sich aufmerksam zu machen.
– Die Believer haben evtl. keinen guten Spürsinn für erfolgreiche Musik.
– Was passiert nach der Plattenaufnahme?
– Von 4.200 Künstlern haben es seit August 2006 erst 32 geschafft, die erforderlichen 50.000$ zu sammeln.