kurz und knapp 2006

7. April 2010

Nach einer netten Party, saß ich noch mit ein paar Leuten zusammen, als ich gebeten wurde mal im Netz nach Fotos von einem der Freunde zu schauen, auf die er hingewiesen wurde. Diese könnten eventuell nicht unbedingt vorteilhaft für ihn sein. Gesagt getan, ich schaute für ihn bei Facebook nach, da er selber dort keinen Account hat. Er war echt verzweifelt, wegen dieses Hinweises und schlug weiter vor bei  Nachtagenten.de zu schauen. Ich ging also auch die Seite Nachtagenten.de und klickte auf die Rubrik „Events“. Kaum tat ich das,  blitzte ein Foto für gerade mal ein paar Millisekunden auf, das ich selber geschossen und für einen Artikel in einem privaten Blog verwendet hatte. Ich wusste nicht ganz ob ich gesehen hatte was ich meinte gesehen zu haben oder ob ich durch eine falsche Eingabe kurz auf jenem Blog gelandet bin, schliesslich kamen wir von einer Party. Als aber ich noch einmal auf  „Events“ klickte erschien dieses Foto wieder und es war klar, dass mich ich nicht vertan hatte. Es befand sich ein von mir geschossenes Bild auf der deren Seite, das ich dort nicht hochgeladen hatte und dem Anschein nach nicht von einem User eingestellt wurde.
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(Screenshot | Nachtagenten.de 20.09.2009)

Wir waren alle ein wenig amüsiert angesichts der Tatsache, dass Nachtagenten.de ein Dienst ist der u.a. seine „Agenten“ losschickt um Fotos auf diversen Veranstaltungen schiessen zu lassen. Somit müssten sie doch über ein beträchtliches Fotoarchiv verfügen. Und dann holen die sich einige ihrer Fotos einfach irgendwo aus dem Netz?
Einer meiner Bekannten, die neben mir saßen ist Fotograf und wir  unterhielten uns über die üblichen Vorgehensweisen für die  Nutzung von Bildern. Ich erzählte ihm das ich das Bild vor ca. fünf Jahren mit meiner Handykamera aus der ehemaligen Wohnung meiner Freundin geschossen und erst ein paar Tage vorher in dem Artikel verwendet habe. Ohne Wasserzeichen, Namen oder Hinweis auf Urheberrechte.
Also schrieb ich den Nachtagenten (via Account) eine Mail und vorderte sie auf, mir einfach zu schildern, in wieweit sie sich als „kommerzieller Service“, an Urheberrechte halten und wie sie Rechte bzw. Lizenzen für ihren Content einholen. Ich nehme an, dass die Nachtagenten sich über Werbeanzeigen finanzieren und somit als kommerziell anzuesehen sind. In diesem Fall hätten sie nämlich gegen ihre, für die User geltenden Nutzungsbedingungen verstossen.

Zitat: „Der Fotograf sichert zu, dass er das alleinige Urheberrecht und das Recht bzw. die Erlaubnis auf Veröffentlichung seiner Fotos besitzt. Allein der Fotograf ist für die Inhalte seiner auf Nachtagenten hochgeladenen Fotos verantwortlich.
[…]
Bilddatenbanken, Bildkataloge, kommerzielle Webseiten bzw. andere kommerzielle Produkte sind als kommerzielle und nicht eigenständige Werke anzusehen.“

Natürlich wies ich auch auf den Zweck hin, für den sie mein Foto verwendeten (Flashmobaufruf gegen die Schliessung der Clubs unter der Sternbrücke). Nichts desto trotz war ich neugierig auf eine Stellungnahme.
Ein paar Tage später kam dann auch die Antwort des Verantwortlichen. Dieser wies auf den nicht-kommerziellen Zweck des Aufrufs hin und da ich gelegentlich im Waagenbau freiberuflich tätig bin habe er sich weiter keine Gedanken gemacht. Ausserdem wusste er nicht, dass das Copyright bei mir liegt. Google hätte es ihm „ausgespuckt“ und man könne es natürlich entfernen, wenn ich ein Problem damit hätte.
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen das man sich aus dem Hamburger Nachtleben kennt, was ich aber erst aufgrund des in der Antwort des enthalten Absenders feststellte und mir so auch die Formulierung der Antwort erklären konnte.

Letztere war erwarteter Weise nicht sonderlich befriedigend ausgefallen, da ich mit „kommerziell“ nicht den Aufruf, sondern deren Seite meinte und ich selbstverständlich wusste das man sich mein Foto einfach aus dem Netz geholt hatte. In meiner Mail hatte ich schliesslich  auch erklärt, dass eine mögliche Absprache im Vorfeld hätte stattfinden müssen und ich das Bild für den, im Grunde genommen, selben Zweck, der mir sicherlich am Herzen liegt, verwendete. Allgemein wirkte es jedenfalls für mich so, als ob die Nachtagenten selber und nicht einer ihrer User das Foto hochgeladen hätte. Was sich ja auch bestätigte. Das angebotene Gespräch habe ich bisher nicht in Anspruch genommen und das Foto wurde inzwischen durch ein neues (Herkunft unbekannt) ersetzt.

Insgesamt finde ich es eher interessant  direkt zu erfahren was mit seinen „Erzeugnissen“ im Netz passieren kann. Die Vorstellung allerdings, dass das eigene Foto oder gar Abbild für Internetseiten bzw. Zwecke missbraucht wird mit denen man sich in keiner Weise identifizieren kann oder die genau entgegengesetzt der eigenen Absichten, Ansichten, Einstellungen oder Meinungen liegen (anders als in diesem Fall ! ) ist eine Horrorvorstellung. Es gab in meiner Familie einen solchen Fall, gegen den unbedingt gerichtlich vorgegangen werden musste. Übrigens Erfolgreich.

Das durch das Internet neue Ideen für die Nutzung von Musik, Fotografie, Texten, Film etc. gefragt sind und die alten Gesetze nicht mehr zeitgemäß sind, ist ebenfalls Thema des genannten Blogs. Die Nutzung, Verwertung und Verbreitung dieser Dinge durch Dritte im WWW wird allgemein  ja auch schon seit langem heiss diskutiert. Konzepte wie „Creative Commons“ sind, meiner Meinung nach, gute Ansätze um diese Problematik neu an zugehen. Auch für die Nachtagenten.

Google Music China

Google Music China

Ich muss zugeben, die Vorstellung, sämtliche (veröffentlichte) Musik such, find- und hörbar auf einer Website zu haben, und – besser noch – diese dort auch kostenlos und legal herunterladen zu können… das trägt in der Tat gewisse paradiesische Züge. Googles neue Musikseite in China kommt diesem Garten Eden anscheinend schon recht nahe. Leider gibt es das eine oder andere kleinere Sprachproblem, so dass unsereins diesen Serice nur schlecht austesten kann, und sowieso: der kostenlose Download funktioniert nur in China. Aber hier gibt es eine sehr interessanten und ausführlichen Artikel, der Googles chinesischen Musikservice beschreibt und der einem schon mal das Wasser in den Ohren zusammen laufen lassen kann…

Apropos: Kennt jemand Software, die chinesiche IPs emulieren kann?! 🙂

FairPlay!

9. Juni 2009

Zeichnung

Idee einer neuen Songvermarktung:

FairPlay! – You price it!

– Internetplattform, einfach zu bedienen; standardisierte Seiten einfach und übersichtlich.

-Künstler/Band- Seite: Künstler können ihre eigenen (Baukasten-)Seiten online stellen (Std./nicht überladen). Dort können sie ihre schon veröffentlichten Lieder linken (die Musik liegt auf dem Server des Betreibers)

– Bands nach Genre/Künstler etc. geordnet, einfache Suche…

– Neue Songs werden dem Betreiber zugesendet, dieser verpflichtet sich zur Nichtveröffentlichung, bis die Konditionen, die der Künstler festlegt, erfolgt sind (evt. ist ein Preview möglich). Der Künstler bestimmt dann auch die Konditionen unter denen veröffentlicht wird (Copyleft, Gemeinfrei).

– Songs werden freigegeben, wenn dem Künstler eine von ihm gewünschte Summe, für ein bestimmtes Kunstwerk, zugeschrieben wird. Der Künstler kann diese Summe, die er sich wünscht, auch noch während des Zeitraums, in der der Song zum “Spenden” freigegeben ist, variieren. Nach oben nur um ca. 10%, nach unten offen. (bis 0€)

– Der Künstler hat auch die Möglichkeit einfach nur Spenden zu bekommen, oder auch Geld als Vorschuss zu bekommen. Für den Benutzer muss natürlich leicht ersichtlich sein, für was er jetzt genau Geld ausgibt!

– Benutzer können Künstlern Beiträge zuschreiben, die erst vom Konto des Benutzers gebucht werden, wenn die gesamte, vom Künstler gewünschte Summe, erreicht wird (Es gibt auf der Künstlerseite dann auch ein Liveticker, der die aktuelle Summe und die Gewünschte anzeigt).

– Benutzer können auch ein Haltbarkeitsdatum ihrer Zuschreibung festlegen.

– von jeder zugeschriebenen Summe geht ein prozentualer Anteil (oder vielleicht doch eine feste Pauschale) an den Betreiber. Möglichst wenig, um die Attraktivität für diese Dienstleistung möglichst hoch zu halten (für Künstler und Konsument. Das ist auch möglich, da ein solcher Digitaler Vertrieb nur wenig laufende Kosten erzeugt).

– möglichst keine Werbung, um unabhängig zu bleiben

– Zielgruppe ist generell jeder Musikkonsument. Sinnvoll wäre es vielleicht, sich zuerst auf ein Genre zu konzentrieren.

– Der Entwicklungsaufwand ist noch überschaubar. Wir brauchen Server, und die Entwicklung des Webservice.

Was haltet ihr davon?

Wären Musikkonsumenten bereit dafür, relativ blind (ohne den Inhalt zu kennen) für Musik zu Spenden?

Wären Musiker bereit von Spenden/Almosen zu “leben”?


Creative Commons License

Fairplay von Ruben Hittmeyer steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Good Copy Bad Copy

25. Mai 2009

Break the LAW

STREAM UND DOWNLOAD HIER

In der aktuellen Debatte über das Copyright, Illegale Downloads und den oft besungenen Untergang der Muskindustrie kommt dieser exellente Dokumentarfilm daher und bietet so-mir-nix-dir-nix einen umfassenden Überblick über die aktuelle Lage von Copyright und Kultur. Interviewed werden eine ganze Reihe höchst relevanter und interressanter Personen von samplenden Künstlern über Powerplayern aus der Musik – und Filmindustrie bis zu Anwälten welche die Interressen letzterer vertreten und Professoren und Akademikern, die Konzepte für die Zukunft erforschen und entwickeln.

Der Film beginnt mit der Problematik des Samples in der Popmusik von heute am Beispiel von Girl Talk und Danger Mouse. Danach macht er einen Schwenk rüber zum Thema illegale Downloads und Bootlegs mit den Machern von Pirate Bay und Interviews im Bootleg-Markt von Moskau.

Nachdem nun die Spannungen zwischen Industrie, Künstler und Konsument auf den westlichen Märkten beleuchtet wurden, beginnt der für mich noch viel spannendere Teil des Films. Als Beispiel für die Filmindustrie wird die Situation in Nigeria und für die Musikindustrie der Markt in Nord Brasilien beleuchtet.

Was an diesen Ländern so interessant ist, ist die Tatsache, das beide Länder erstens sehr arm und zweitens die „Märkte“ sehr jung sind. Hier konnten sich neue Modelle und Strukturen entwickeln, da sich noch keine konservativen Krusten bilden konnten. Der Bootleg – und Schwarzmarkt ist in diesen Ländern eine allgegenwärtige Realität, die von Künstlern und Händlern nicht nur verstanden, sondern auch aktiv genutzt wird. Ausserdem gibt und gab es dort keine „alten“ Gesetze, die Entwicklungen hätten bremsen oder unmöglich machen können. Ein weiterer Punkt ist, dass die Armut von Anfang an Homeproduktion und generell billige Produktionsprozesse mit sich brachte. Daher haben die Menschen dort eine weit fortschrittlichere Umgehensweise mit dem Internet und dem digitalen Zeitalter, als die hiesige träge und behäbige Tonträgerindustrie.

Mir persönlich gefällt sehr gut, wie die Situation um die Pirate-Bay-Affäre beleuchtet wird und das man den Film auch exklusiv über Pirate Bay herunter laden kann. Runde Sache das…