Die Blogrebellen berichten in einem aktuellen Blogbeitrag über neue algorithmische Maßnahmen bei den großen Streamingdiensten wie Spotify und iTunes(Radio), die den Loudness War zwar vielleicht nicht beenden, aber doch nachhaltig beeinflussen könnten. Die Kernidee ist, die Lautheit der Stücke in einem Stream automatisch angleichen – wohl um für Homogenität zu sorgen, was ja jeder gute DJ so tun würde. Die passiert allerdings auf einem eher niedrigen totalen Lautheits-Niveau, was dazu führt, dass hochkomprimierte Stücke ihren scheinbaren Vorteil verlieren und im Vergleich zu Musik, die eher dynamisch gemischt sind, in puncto subjektiver Qualität schlechter dastehen. Aufgrund der Marktmarkt der großen Streamingdienste und Internetradios könnte dies also zu einem Umdenken der Produzenten führen, so der Mastering-Guru Bob Katz, der ein Ende des Loudness-Wars für Mitte 2014 prophezeit

Donnerstag Nacht, drei Uhr. Das kleine Zimmer ist verqualmt, auf dem Schreibtisch türmen sich leere Bier- und Sektflaschen, der Aschenbecher ist bis zum Anschlag gefüllt und über den Boden kullern kryptische Bleifiguren. Ein angebranntes Käsefondue steht in der Gegend rum und trägt eine eigene Geruchs-Note zu dem Abend bei. Es ist Silvester.

Ungefähr 20 Tanzwütige springen über Couch und Sessel und bewegen sich ausgelassen zu ohrenbetäubender Elektromusik, die aus der Anlage schallt. Am Ende des Zimmers, direkt neben dem Sektflaschenturm, steht ein Notebook. Zwei wild mit den Beinen wippende Partygäste stecken die Köpfe zusammen und spielen DJ. Doch statt über Turntables oder CD-Player, statt per i-Tunes-Playlist oder Mp3-Stick, kommt die Musik heute direkt aus dem Web. Circa zehn Tabs sind geöffnet und es warten verschiedenste Remixes darauf gespielt zu werden. Youtube-Dejaying könnte man dieses Phänomen taufen. Die Datenbank dieses Videoportals hat einfach mehr und vor allem aktuelleres zu bieten, als die Festplatte des Partygastgebers. Musik wird in dieser Nacht gestreamt. Von Youtube, genauso wie bei all den anderen Anbietern. Ob MySpace, LastFM oder Deezer, alle tragen etwas bei zum Silvestersoundtrack.

Und tatsächlich ist besagtes Streaming nicht nur eine Art der Musikrezeption, die Einzug gehalten hat auf verrauchte Privatparty, sondern eine gängige Methode Musik zu hören, es ist etwas Alltägliches. Laut einer britischen Studie der Marktforscher von Music Ally nutzen Kinder und Jugendliche heute immer weniger Tauschbörsen, um an ihre Musik zu kommen. Musik wird stattdessen direkt über Streaming- und Videoportale im Netz gehört. Bei einer Anwender-Befragung stellte sich heraus, dass die Zahl regelmäßiger Tauschbörsen-Nutzer von Dezember 2007 bis Januar 2009 um etwa ein Viertel zurückging. Besonders extrem ist die Entwicklung in der Altersgruppe zwischen 14 und 18 Jahren. Vor etwas über einem Jahr noch gaben 42 Prozent an regelmäßig Filesharing-Plattformen zu nutzen. Jetzt waren es nur noch 26 Prozent.

Ein wichtiger Grund für die Entwicklung besteht darin, dass viele User Songs herunterluden, die sie aus aktuellem Interesse nur ein oder ein paar Mal hören wollten. Nur warum sollte man Musik illegal downloaden, die ohnehin im Netz frei und immer verfügbar ist. Die Streaming-Seiten stellen hier im Vergleich die deutlich bequemere und auch schnellere Alternative dar. Auch die weitere Entwicklung ist abzusehen. Je weiter sich das Internet verbreitet, je leichter dem User der ständige mobile Zugang gemacht wird und je mehr der einzelne Anwender eigene Daten und Programme online abrufbar speichert, desto mehr wird sich auch die Musikrezeption in Richtung der Onlineportale verlagern. Die Musikindustrie freut sich an dieser Entwicklung, denn auf Seiten wie Youtube oder Last.fm sind die großen Plattenfirmen an den Werbeeinnahmen beteiligt.

Den Partygästen ist es egal, ob die Musik gestreamt oder downgeloaded ist. An die schlechte Mp3-Qualität hat man sich längst gewöhnt. Es ist sowieso vor allem laut. Am Neujahrstag finden sich einige der gespielten Tracks als Anhänge von Facebook-Pinnwand-Einträgen im Netz verlinkt wieder. Man erinnert sich. Doch so richtig nachhaltig ist der Musikkonsum über Streaming-Portale wohl nicht. Schnell und neu und aktuell, ja. Aber vieles bleibt ein einmaliges Hörvergnügen, vieles geht verloren, vor allem der Überblick.

Musik besitzen?

24. Mai 2009

Wird das (illegale) Downloaden von Musik überflüssig?

Spotify heißt der Dienst, der zurzeit in vielen Musikblogs für Aufregung sorgt, der Startup aus Schweden wird von vielen Bloggern schon als “the next big thing” nach „youtube“ oder „Facebook“ gehandelt.
Für Benutzer in Deutschland ist der Musik-Dienst Spotify zwar größtenteils noch unbekannt, hat aber vor allem in Schweden und Großbritannien schon über 2 Millionen Nutzer.

Das Prinzip von Spotify ist eine Online-Musikbibliothek von zurzeit ungefähr sechs Millionen Titeln, gelagert auf schwedischen Servern, die legal und praktisch ohne Zeitverzögerung von angemeldeten Benutzern gehört werden können.
Durch die Auslagerung auf Server, den so genannten „Cloud Computing“ braucht man sich weder über Festplattenabstürze Gedanken machen, noch Angst haben, für illegale Downloads belangt zu werden. Jeder Benutzer kann sich seine eigenen Playlists zusammenstellen und praktisch von überall darauf zugreifen.

Wozu also noch die Festplatte mit wohlmöglich illegalen mp3s vollmüllen?

Mit einer Technik aus „peer-to-peer“ und „serverstreaming“ folgt Spotify dem Trend zum „Cloud Computing“, besitzt aber auch alle Vorteile einer Desktop-Musikanwendung ähnlich wie iTunes.

Die Idee dahinter ist eigentlich nicht neu und man kann sich fragen, was unterscheidet Spotify von anderen etablierten Internetradios wie zum Beispiel Last.fm?
Eigentlich nicht viel! Aber im Gegensatz zu Last.fm oder ähnlichen Diensten ist Spotify kein Soziales Netzwerk, es gibt außer der Möglichkeit, Playlists weiter zu geben, keinen Austausch zu anderen Nutzern. Spotify zielt vielmehr auf das persönliche, private Hören und versteht sich eher als eine digitale Platensammlung und nicht als ein Internetradio.

„INSTANT SIMPLE AND FREE!“
So wird Spotify angepriesen, das klingt soweit alles ganz gut, aber das Musikangebot ist mit 6 Millionen Titeln verhältnismäßig (noch) klein, die Beatles oder Metallica wird man bei Spotify vergeblich suchen, von vielen Künstlern gibt es nur die neuesten Alben zu hören und kleine unbekannte Interpreten sind überhaupt nicht zu finden.
Zu dem ist der kostenlose, über Werbung finanzierte Dienst von Spotify nur in wenigen Ländern verfügbar. In Deutschland gibt es nur den kostenpflichtigen Premium-Zugang für 10 Euro im Monat.
Auch muss man sich fragen, ob die Musikhörer bereit sind Gebühren wie beim Fernsehen zu bezahlen, oder aber alle paar Stücke eine 30-sekündige Werbepause in Kauf zu nehmen. Und: Wird sich Spotify bei zurzeit eher sinkenden Werbeeinnahmen und steigenden Serverkosten am Markt halten können?
Trotzdem könnte Spotify den Begriff des Musikbesitzes revolutionieren und eventuell eine Lösung im Kampf gegen die Musikpiraterie darstellen.

Zusammenfassend ist Spotify eine gute, aber nicht unbedingt neue Idee mit Ausbaupotential, besonders wenn der Dienst, wie geplant, auch auf mobilen Endgeräten verfügbar wird.