Wie sich die Nachtagenten (m)ein Foto googelten

11. Oktober 2009

Nach einer netten Party, saß ich noch mit ein paar Leuten zusammen, als ich gebeten wurde mal im Netz nach Fotos von einem der Freunde zu schauen, auf die er hingewiesen wurde. Diese könnten eventuell nicht unbedingt vorteilhaft für ihn sein. Gesagt getan, ich schaute für ihn bei Facebook nach, da er selber dort keinen Account hat. Er war echt verzweifelt, wegen dieses Hinweises und schlug weiter vor bei  Nachtagenten.de zu schauen. Ich ging also auch die Seite Nachtagenten.de und klickte auf die Rubrik „Events“. Kaum tat ich das,  blitzte ein Foto für gerade mal ein paar Millisekunden auf, das ich selber geschossen und für einen Artikel in einem privaten Blog verwendet hatte. Ich wusste nicht ganz ob ich gesehen hatte was ich meinte gesehen zu haben oder ob ich durch eine falsche Eingabe kurz auf jenem Blog gelandet bin, schliesslich kamen wir von einer Party. Als aber ich noch einmal auf  „Events“ klickte erschien dieses Foto wieder und es war klar, dass mich ich nicht vertan hatte. Es befand sich ein von mir geschossenes Bild auf der deren Seite, das ich dort nicht hochgeladen hatte und dem Anschein nach nicht von einem User eingestellt wurde.
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(Screenshot | Nachtagenten.de 20.09.2009)

Wir waren alle ein wenig amüsiert angesichts der Tatsache, dass Nachtagenten.de ein Dienst ist der u.a. seine „Agenten“ losschickt um Fotos auf diversen Veranstaltungen schiessen zu lassen. Somit müssten sie doch über ein beträchtliches Fotoarchiv verfügen. Und dann holen die sich einige ihrer Fotos einfach irgendwo aus dem Netz?
Einer meiner Bekannten, die neben mir saßen ist Fotograf und wir  unterhielten uns über die üblichen Vorgehensweisen für die  Nutzung von Bildern. Ich erzählte ihm das ich das Bild vor ca. fünf Jahren mit meiner Handykamera aus der ehemaligen Wohnung meiner Freundin geschossen und erst ein paar Tage vorher in dem Artikel verwendet habe. Ohne Wasserzeichen, Namen oder Hinweis auf Urheberrechte.
Also schrieb ich den Nachtagenten (via Account) eine Mail und vorderte sie auf, mir einfach zu schildern, in wieweit sie sich als „kommerzieller Service“, an Urheberrechte halten und wie sie Rechte bzw. Lizenzen für ihren Content einholen. Ich nehme an, dass die Nachtagenten sich über Werbeanzeigen finanzieren und somit als kommerziell anzuesehen sind. In diesem Fall hätten sie nämlich gegen ihre, für die User geltenden Nutzungsbedingungen verstossen.

Zitat: „Der Fotograf sichert zu, dass er das alleinige Urheberrecht und das Recht bzw. die Erlaubnis auf Veröffentlichung seiner Fotos besitzt. Allein der Fotograf ist für die Inhalte seiner auf Nachtagenten hochgeladenen Fotos verantwortlich.
[…]
Bilddatenbanken, Bildkataloge, kommerzielle Webseiten bzw. andere kommerzielle Produkte sind als kommerzielle und nicht eigenständige Werke anzusehen.“

Natürlich wies ich auch auf den Zweck hin, für den sie mein Foto verwendeten (Flashmobaufruf gegen die Schliessung der Clubs unter der Sternbrücke). Nichts desto trotz war ich neugierig auf eine Stellungnahme.
Ein paar Tage später kam dann auch die Antwort des Verantwortlichen. Dieser wies auf den nicht-kommerziellen Zweck des Aufrufs hin und da ich gelegentlich im Waagenbau freiberuflich tätig bin habe er sich weiter keine Gedanken gemacht. Ausserdem wusste er nicht, dass das Copyright bei mir liegt. Google hätte es ihm „ausgespuckt“ und man könne es natürlich entfernen, wenn ich ein Problem damit hätte.
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen das man sich aus dem Hamburger Nachtleben kennt, was ich aber erst aufgrund des in der Antwort des enthalten Absenders feststellte und mir so auch die Formulierung der Antwort erklären konnte.

Letztere war erwarteter Weise nicht sonderlich befriedigend ausgefallen, da ich mit „kommerziell“ nicht den Aufruf, sondern deren Seite meinte und ich selbstverständlich wusste das man sich mein Foto einfach aus dem Netz geholt hatte. In meiner Mail hatte ich schliesslich  auch erklärt, dass eine mögliche Absprache im Vorfeld hätte stattfinden müssen und ich das Bild für den, im Grunde genommen, selben Zweck, der mir sicherlich am Herzen liegt, verwendete. Allgemein wirkte es jedenfalls für mich so, als ob die Nachtagenten selber und nicht einer ihrer User das Foto hochgeladen hätte. Was sich ja auch bestätigte. Das angebotene Gespräch habe ich bisher nicht in Anspruch genommen und das Foto wurde inzwischen durch ein neues (Herkunft unbekannt) ersetzt.

Insgesamt finde ich es eher interessant  direkt zu erfahren was mit seinen „Erzeugnissen“ im Netz passieren kann. Die Vorstellung allerdings, dass das eigene Foto oder gar Abbild für Internetseiten bzw. Zwecke missbraucht wird mit denen man sich in keiner Weise identifizieren kann oder die genau entgegengesetzt der eigenen Absichten, Ansichten, Einstellungen oder Meinungen liegen (anders als in diesem Fall ! ) ist eine Horrorvorstellung. Es gab in meiner Familie einen solchen Fall, gegen den unbedingt gerichtlich vorgegangen werden musste. Übrigens Erfolgreich.

Das durch das Internet neue Ideen für die Nutzung von Musik, Fotografie, Texten, Film etc. gefragt sind und die alten Gesetze nicht mehr zeitgemäß sind, ist ebenfalls Thema des genannten Blogs. Die Nutzung, Verwertung und Verbreitung dieser Dinge durch Dritte im WWW wird allgemein  ja auch schon seit langem heiss diskutiert. Konzepte wie „Creative Commons“ sind, meiner Meinung nach, gute Ansätze um diese Problematik neu an zugehen. Auch für die Nachtagenten.

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