Das Clubsterben in Hamburg geht weiter

18. August 2009

Sternbrücke

Es wird ernst. Laut Taz.de (Bericht vom 17.08.2009) und Mopo.de (Bericht vom 19.08.2009) müssen die Clubs an der Sternbrücke bis zum Ende diesen Jahres die Kasematten räumen, denn: „Die Deutsche Bahn will die Statik der Sternbrücke überarbeiten.“ So weit so schlecht, nur wenn die Überarbeitung abgeschlossen ist, soll es wohl keine Rückkehr der Clubs geben. Noch werden Gespräche zwischen Betreibern und der Bahn geführt. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob eine sanierte und von der Gentrifizierung umkreiste Sternbrücke wieder kulturell genutzt werden kann und wenn ja von wem. „Danach wird es die Räume in ihrer jetzigen Form nicht mehr geben.“ so ein Sprecher der Bahn, die die Kündigung bestätigte. Bisher wurden Spekulationen als blosses Gerücht abgetan, doch das ist jetzt wohl nicht mehr möglich.

Die von der Kündigung betroffenen Clubs (Astra-Stube, Fundbureau und Waagenbau) sind neben der Bar 227 und dem Souledge u.a. dafür verantwortlich das die Sternbrücke nichtmehr nur als ein sehr stark befahrener Verkehrsknotenpunkt angesehen wird, sondern als ein Kulturknotenpunkt. Ich konnte die Entwicklungen an der Sternbrücke von 1996 bis heute selbst sehr gut beobachten, da ich bis zum letzten Jahr gute 150 Luftlinie entfernt gewohnt habe, dort immer noch arbeite, und letztlich selbst freundlich genötigt wurde weiter zu ziehen. Clubbetreiber und andere Kulturschaffende haben es in Hamburg (neben Wohnungssuchenden) schon lange schwer Räume für ihre Projekte zu finden. Die Gründung einer Agentur zur Vermittlung vom Räumen für Kreative ist eine gute Idee, wenn sie sich wirklich für die Interessen der Kreativen und nicht für die des Senats einsetzt. So sollten nicht einfach freie Räume, sondern Räume an bestimmten toten Winkeln zur Verfügung gestellt werden, wie es die Sternbrücke vor dreizehn Jahren noch war. Vornehmlich für kulturelle und nicht für wirtschaftliche Zwecke wäre schön, ist aber zugegebener Weise reines Wunschdenken.

Selbst wenn die Kündigungsfristen diverser Kulturräume, laut Vermietern, eher kulant gehandhabt wurden sein sollten, durften am Ende die wenigsten Projekte wieder an ihre alten Orte zurückkehren und wenn doch dann nur nach starken Anstrengungen. Eine sogenannte Aufwertung des Viertels kann ich aus meiner Sicht nicht erkennen, denn mittlerweile gibt es ja sogar eine Filiale eines etwas anderen Restaurants direkt im Sternschanzenbahnhof, das Hotel eines Eishersteller zog in den Wasserturm im Schanzenpark und Eigentumswohnungen für Yuppies sind die Spuren der letzten Jahre rund um die Rote Flora. Um Letztere ist es was die zukünftige Nutzung zwar relativ ruhig geworden, doch so ein Filetstück direkt am Schulterblatt wird immer wieder unter freundlichen Übernahmeversuchen zu leiden haben. Was an der Sternbrücke am Ende passieren wird, steht in de Sternen. Das es den Freunden der Sternbrücke nicht egal ist, wird sich sicher bald zeigen.

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7 Responses to “Das Clubsterben in Hamburg geht weiter”

  1. nils Says:

    Joa,nicht schön. Wir waren ja auch mit dem Stammtisch im Wagenbau und müssen da nun Anfang Januar raus…

  2. Klaus Frieler Says:

    Es gibt mittlerweile eine Petition zum Erhalt der Sternbrückenclubs. Erreichbar unter: http://www.PetitionOnline.com/31122009/petition.html

    BTW: Am meisten schockiert mich am Ende die Vorstellung, das Hamburg wie München werden könnte: eine Stadt ohne Underground…


  3. […] ein Foto für gerade mal ein paar Millisekunden auf, das ich selber geschossen und für einen Artikel in einem privaten Blog verwendet hatte. Ich wusste nicht ganz ob ich gesehen hatte was ich meinte […]

  4. jonas1999 Says:

    in diesem zusammenhang ganz interessant:

    Bar25 der spiegel


  5. […] Unzählige Flächen wurden in den letzten Jahren zubetoniert, hässliche Bürotürme schiessen dafür allerorten aus dem Boden. Luxuswohnungen entstehen an Orten, an denen vor wenigen Jahren noch Punks kampierten, bezahlbarer Wohnraum wird dafür immer knapper. Millionen werden in Leuchtturmprojekte wie die Elbphilharmonie gepumpt während die einst lebendige Szenekultur langsam aber stetig stirbt. […]


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