„ich hätt‘ da mal ne frage…“

23. Juni 2009

„ich hätt‘ da mal ne frage…“

vor einigen tagen musste ich zur arbeit – ich arbeite als tontechniker. auf einem konzert sollte ich eine band mischen. eigentlich was ganz normales.. nur dass diesmal die ablaufinfos etwas anders lauteten als sonst.  13 bis 17 uhr arbeiten war die ansage. aber konzerte sind doch normalerweise abends? mir wurde dann mitgeteilt, dass es sich um ein showcase handle. was ein showcase ist, weiß sicherlich jeder… und wer es nicht weiß: ein showcase ist kein gewöhnliches konzert mit gästen, sondern eine liveshow einer band für plattenfirmen, verlage, tourmanager, booker, andere beteiligte in der veranstaltungs- und musikbranche und eventuell presse. mir wurde gesagt: „alles ganz locker, eine band kommt vorbei, ihr macht soundcheck, dann kommen einige wenige gäste und die band spielt drei songs.“  aus den „gästen“ wurde „ein gast“ = ein a&r manager einer grossen plattenfirma.  echte namen darf und möchte ich hier nicht nennen… auf jeden fall kam um 13h die band und mir fiel etwas auf… alle sahen aus wie… wie… wie soll man sagen… wie männliche models? ja das trifft es. naja. zwei männer begleiteten die band. kurz gequatscht und heraus bekommen, die beiden herren arbeiten für einen musikverlag, arbeiteten früher bei major-labels.  die bandmitglieder seien schauspieler, models… aber gelernte musiker. ALLE. man wolle also die band live testen. der a&r manager sollte die band dann beurteilen und in naher zukunft eventuell unter vertrag nehmen. die band baute ihre instrumente auf und ich (BK) hatte etwas zeit mit den beiden begleitern (nennen wir sie E und T) der band zu reden.  zum a&r manager komm ich später noch.

BK: „… ach ihr arbeitet in der musikbranche. das ist ja interessant. ich studiere am musikwissenschaftlichen institut hamburg.  da wärt ihr interessante interviewpartner.“

(lachen)

BK:  „ich hätt‘ da mal ne frage… wie kommt es, dass bands es heutzutage so schwer haben einen deal zu bekommen?“

T:  „weißt du, ich komm grad von einer musikmesse aus england. da hab ich mindestens 60 gute bands gesehen, die ich sofort hätte signen können. es gibt einfach sooo viel. man muss schon was besonderes bieten“

E: „ja, es gibt viel mehr qualitativ hochwertige produktionen als noch vor 20 jahren. und die gewinneinbrüche in der branche sind ja auch jedem bekannt.“

BK: „thema filesharing und downloads…?“

E: „ja, genau. was da vor sich geht ist eine große sauerei. musik runterzuladen ist wie brot bei einem bäcker zu klauen. das geht einfach nicht, das ist kriminell.“

BK: „und was kann man dagegen tun?“

E: „das einzige was hilft, dies wird in frankreich nun auch angestrebt, sind höhere strafen. lad einmal was runter: abmahnung, lad zwei mal was runter: geldstrafe. und wenn gar nichts mehr hilft: gefängnis. denn das ist nichts anderes als diebstahl und der muss hart bestraft werden. in einer bäckerei brot zu stehlen ist nichts anderes.“

BK: „ach so. aber hat es die indutrie nicht etwa verschlafen, notwendige maßnahmen zu ergreifen? vor 15 oder 20 jahren?“

T: „welche industrie? wir hatten meinetwegen 4 große labels in deutschland. diese sind konkurenten, zusammenarbeit war und ist die ausnahme. warum sollte eine plattenfirma mitziehen, wenn eine andere etwas will? 1997 hat unser vorstand gesagt: ‚das internet und die digitale musikverbreitung ist nur ein vorübergehendes phänomen. dies wird vergehen‘.“

BK: „und das habt ihr geglaubt? der trend zum internet war doch klar abzusehen.“

T: „der status quo sollte beibehalten werden…“

BK: „hätte man nicht 1997 schon musikflatrates anbieten können?“

T: „(lacht) du glaubst doch nicht wirklich, dass sich das durchgesetzt hätte. links: du bezahlst 15 mark im monat und kannst musik herunterladen. rechts: du bezahlst gar nichts und lädst dir alles kostenlos runter. was die menschen gemacht hätten und was sie nun auch machen ist doch wohl klar.“

dies war ein interessantes gespräch. die band baute auf, wir machten den soundcheck, alles gut. gegen 16uhr kam der a&r manager, setzte sich neben die beiden herren E und T in der mitte des saals auf einen hocker. die band fing an zu spielen. sie spielten drei songs. pop musik. gut gespielt, also technisch 1a. der a&r manager: „den zweiten song bitte nochmal.“ T: „jungs, den zweiten song bitte nochmal.“ die band „alles klar!“. sie spielten den song. danach kurzes shakehands bei der band, dann setzten sich alle zu dem a&r-menschen und zu E und T in einen hockerkreis.

A&R Mensch: „also ihr macht das schon ganz gut. ihr spielt eure instrumente gut und gerade der zweite song würde sehr gut funktionieren. nichtsdestotrotz müssen wir etwas besonderes bieten. und das besondere an euch ist, dass ihr zwar alle musiker seid, aber eigentlich aus komplett unterschiedlichen bereichen kommt.. einige von euch sind models, andere schauspieler und so weiter…“

BANDMITGLIED: „ja, wir hatten da ein konzept von ‚popstars meets germanys next topmodel‘ im hinterkopf.“

A&R Mensch: „ja, genau. das dürfte funktionieren. dann müssen wir schauen wie wir das vermarktet bekommen. zielgruppe ist bei euch halt mädchen von 12 bis 18 jahren. das heißt auftritte, shows etc in den geeigneten medien sind unerlässlich. auch wenn es sein muss so etwas wie GZSZ. (lachen) also wie gesagt: ich find das schon ganz gut. ich werd mal ein paar gespräche führen und meld mich dann bei euch.“

weitere einzelheiten möchte ich hier nun nicht preisgeben. trotzdem fand ich die herangehensweise der industrie, sowie die gespräche sehr informativ. mal sehen wohin die reise geht…

beste grüße,

B.K. 23.06.2009

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