Dan.mcdonaldsMusik ist Kultur, auch das, was wir in Hamburg so verzapfen, ist ein Teil davon. Doch nur weil diese Kultur seit Jahrzehnten erfolgreich vermarktet wird, denken manche Leute, dass man mit dem Musikmachen gleich selbstverständlich Geld verdienen kann – wie in anderen Berufen auch. Musik als Beruf hingegen ist weit weniger romantisch als weithin angenommen: Berufsmusiker spielen beispielsweise in Orchestern oder auf Hochzeiten oder lassen sich für Studiojobs bezahlen, bei denen ihnen jemand anderes diktiert, was sie zu tun haben. So gesehen gibt es wirklich eine Menge Möglichkeiten, mit Musik etwas Geld zu verdienen – wobei die Betonung da zugegebenermaßen auf „etwas“ liegt – doch hier gilt, wie in anderen Berufen auch: Der Beste verdient am besten. Insofern lässt sich das Handwerk Musikmachen mit anderen Handwerksberufen durchaus vergleichen. Meinetwegen ist der Musiker hier Dienstleister und sein Produkt eben die Dienstleistung.

Im Rahmen der so genannten Popkultur, in der man unter „Musik machen“ aber eben nicht das bloße Handwerk sondern eine kreative Leistung oder gar die Erschaffung eines kulturellen Gutes versteht, verhält es sich deutlich anders. Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei vielen Musikern, die bescheidene Liedchen schreiben und doch höchstens einen Lifestyle als Ware anzubieten haben, weit auseinander. Woher rührt der Hochmut, mit Melodien gleich Millionen verdienen zu wollen? Nur weil das früher, als Musik nur über die spezialisierten Kanäle der Plattenindustrie ihre Verbreitung fand, einmal möglich war? Der Musikindustrie geht es mittlerweile schlecht, weil sie kaum noch jemandem nützt, am wenigsten dem „Hörer“. Sie ist ein Auslaufmodell, ist durch das Computerzeitalter mit neuen Verbreitungswegen und -möglichkeiten längst obsolet. Dass man in dieser Branche mittlerweile weniger und weniger verdient, ist die einzig logische Konsequenz des technischen und kommunikativen Fortschritts. Künstler, die damit ein Problem haben, stellen sich mit Jammerlappen wie Dieter Gorny auf eine Stufe oder trauern schlicht ihrem naiven Rockstartraum aus Kindertagen hinterher.

Wer nun Lust hat, seiner Musik als Dienstleistung einen Marktwert zuzuschreiben, kann dies gerne tun. Dicke Dollars winken da allerdings nicht. Wir knabbern am letzten Rest vom Knochen, da wird „sell-out“ plötzlich salonfähig; wer die beste Strategie hat, wird abgefeiert, zumindest kurzfristig. Im Ernst: Gelingt es geldgeilen Leuten, aus den neuen Medien endlich mächtig Profit zu schlagen, wird mir angesichts der Beballerung durch die riesige Informationsgesellschafts-Werbemaschine dieser Tage angst und bange. Und auch was die Qualität des Mainstreamprogramms der Zukunft betrifft, besteht wenig Hoffnung auf Besserung. Leider ist es erfahrungsgemäß im Bereich Pop ja nicht erst seit der Erfindung des Internets so, dass nicht die Besten das beste Geld verdienen, sondern Sporty Spice und Schlitzohren mit Gespür für kluges Marketing. Deshalb sehe ich in der Dienstleistung eines Klempners, der das Schnüffelstück geschickt montiert, und in der eines Musikers, der Songs schreibt und aufnimmt, nur die eine Gemeinsamkeit: Beide werden nie das Gehalt eines echten so genannten Rockstars erreichen. Der Klempner kommt bei der Rechnung allerdings noch besser weg, und das, ohne auf besondere Marketingstrategien angewiesen zu sein. Der Musiker verdient in der Regel trotzdem noch weniger.

Dienstleistung ist eine Serviceleistung, die nicht zuletzt der Kunde bestimmt, und hat als solche nichts mit der ursprünglichen Kunstfertigkeit und individuellen Kreativität von Musikern zu tun. Wer Geld mit seiner ureigenen Kreativleistung verdient, hat Glück gehabt. Aber wer Musik macht, kann nicht automatisch verlangen, damit auch Geld zu verdienen. In diesen Zeiten haben nun alle die Möglichkeit, etwas Neues zu probieren. Man könnte auch sagen, alle stehen irgendwie unter Zugzwang. Schließlich ist Geld zu verdienen wichtig, und die Wahl zwischen Arbeit und Armut bietet für die Kreativität keinen Platz.

Wer noch mal nachlesen möchte, worin Sinn und Nutzen einer Industrie bestehen, und weshalb die Musikindustrie mittlerweile überflüssig ist, dem lege ich folgenden, großartigen Artikel eines Musikers aus England ans Herz:

An Unexpected Savior?
Simon Indelicate on how the credit crunch could revitalise the music industry

The music business is (not) dead…

Heute habe ich eine Werbe-Email von Al Dawson bekommen. Dieser arbeitet für Earache Records USA. Auf Earache Records sind u.a. Bring Me The Horizon, The Dillinger Escape Plan oder Carcass gesignt… Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fand diese Email hatte etwas mit unserem „The Future of Music“-Thema zu tun. Also viel Spass beim Lesen.

The music business is dead…
I hear this a lot these days, so the question might be – the music business is dead – so why bother even trying???

Well I can tell you right now the music business is NOT DEAD and in fact now more than ever people are listening to music – especially in these crappy economic times people need their music esp good loud pissed off metal music!

Everyone and their dog knows that cd sales are down way down from what they used to be, before the advent of Napster and file sharing software.
That is a fact!!
But the bottom line is there are still bands out there selling 100’s of thousands of cds right now, still making a living from touring the world, selling t-shirts, getting songs on film soundtracks, getting songs on video games etc
See the thing is changes happen: new technologies come to play and some people get left behind and some people adapt with the times
Look at the film industry – When movies first came out they said it was a novelty that would not last, when TV first came out in the 1950s they said „are you nuts people get to watch movies on TV , for free? The movie industry would not last!!“
When VCRS first came out in the 1970s people said „wow VCRS are great- for $5 you can rent the latest movie, don’t have to stand in line, pay for popcorn you can pause the film at anytime, no one talking behind you etc „
Of course every main street had about 10 video rental libraries and some of the larger movie theaters closed but then people got bored staying indoors all the time and the movie theaters invented the multiplex, these days even blockbuster is struggling to stay in business and every little mom and pop video club is out of business  – I think last year the movie business had one of their biggest grossing years ever!
So my point is don’t count the music business out just yet – don’t be fooled into just settling on being a hobby band – there are PLENTY of bands out there making great money playing music professionally – why not your band?
Al Dawson
Earache Records erreicht ihr HIER .
BK , 30.06.2009

Kevin Kelly, die Kopie und der Musiker

Im folgenden ein Artikel von Kevin Kelly – Wirtschaftsweise, Journalist und „Kopfzerbrecher“ über die Zukunft der Technik und des Web (3.0) – über die Entwicklung der Kopie in Industrie bis zur Kopie des Musikstücks und seiner Weiterverarbeitung.

Weiterhin geht er auf die Zukunft des Musikers, seiner Sponsoren und den Musikkonsumenten ein.

Weiter unten sind auch weitere interessante Links zu Kevin Kelly.

Die Zukunft der Musik

Kevin Kelley, notorischer Mitgründer von Wired und Herausgeber der Zeitung Whole Earth, ist mit seinen Büchern „Out Of Control“ und „New Rules For The New Economy“ eine Art Wirtschaftsweiser der kalifornischen Ideologie geworden und darin oft genug auch kritisiert, gelegentlich sogar missverstanden. In der ökonomischen Pause der New Economy beschäftigt er sich nicht nur mit einer Archivierung seiner kompletten Texte und Bücher auf seiner Webseite, sondern vor allem mit einem Inventar aller biologischen Spezies, seiner Asien Vorliebe und natürlich der Zukunft von Musik.

Kevin Kelley in De:Bug 59

Where Music will be coming from

Technologie verändert Musik. Das war schon immer so. Mit der Erfindung des Pianos vor 300 Jahren drehte sich Musik um Tasten. Die Einführung der Elektrizität im späten 19. Jahrhundert ermöglichte das Aufnehmen und Kopieren von Aufführungen, später dann die Verstärkung der Instrumente. Mit der Digitalisierung beschleunigt sich das Tempo des Umbruchs weiter. Digitale Filesharing-Technologien wie Napster und seine Nachkommen umgehen die etablierte Musikindustrie. Und alles, was wir über digitale Technologien wissen, suggeriert uns, dass Napster erst der Anfang sei.

Technologie und Irritation

Heutzutage gibt es keine Musik, die nicht von der Tatsache beeinflusst wird, dass sie aufgenommen und kopiert werden kann. Die Möglichkeit, Musik zu kopieren, verursachte schon seit dem Grammophon eine tiefgreifende Irritation, wie mit Musik umzugehen sei. Als John D. Smoot, ein Ingenieur der Europäischen Firma Odeon, 1904 primitive Aufnahmegeräte in den Indonesischen Archipel karrte, um die Gamelanorchester aufzunehmen, waren die lokalen Musiker perplex. Warum eine Aufführung kopieren? Die populären Stücke der Gegend hatten eine Halbwertzeit von einigen Wochen. Warum sollte jemand einer verbrauchten Wiedergabe eines alten Stückes zuhören, wenn es so einfach war, an frische, neue Musik heranzukommen?

Als Phonographen sich in der Welt ausbreiteten, hatten sie einen erstaunlichen Effekt: Volksmusik, die sich immer in konstanter Veränderung befand, die sich mit jeder Aufführung und bei jedem Interpreten veränderte, wurde durch die Einführung der Aufnahmetechnik zu fixierten Songs transformiert, die endlos wiederholt werden konnten. Musik wurde kürzer, melodischer und präziser.

Das erste, frühe Equipment konnte viereinhalb Minuten aufnehmen. Also passten Musiker die alten Werke an und kreierten neue, kürzere Musik, die auf den Phonographen zugeschnitten war. Weil die ersten Aufzeichnungen unverstärkt waren, betonten die Aufnahmen den lauten Klang der Sänger und nahmen den der ruhigen Instrumente zurück. Wie der Musikologe Timothy Day bemerkt: „Als Pianisten begannen, ihre Musik aufzunehmen, versuchten sie zum ersten mal sorgfältig im Stück zwischen jeder Achtel- und Sechzehntelnote zu unterscheiden.“ Musiker spielten so, wie die Technologie ihnen zuhörte. Als der legendäre Frederick Gaisberg 1902 in Kalkutta ankam, gerade mal zwei Jahrzehnte nach der Erfindung des Phonographen, bemerkte er, dass indische Musiker schon gelernt hatten, aufgezeichnete Musik zu imitieren. Und er lamentierte, dass „keine traditionelle Musik mehr da sei, die man aufnehmen könnte“.

Die Regeln der Kopie

Mit dem Boom der Reproduktionstechnologien im letzten Jahrhundert ging auch ein Konsumenten-Boom einher. Was konsumiert wurde, egal ob in Form von Büchern, CDs oder Coca Cola-Dosen, waren exakte Kopien. Die Möglichkeiten, in verwirrend großer Anzahl endlos und perfekt Kopien herzustellen, war die Hauptzutat der Massenkultur. Musik passte sich sehr schnell dem Kopierkult an. Reproduktionen wurden exakt gemacht, Kopien massiv multipliziert. Musik lebte in ihrer konstanten Reproduktion.

Der große Bruch, den Musik nun zu erfahren scheint, diese Transformation, die Napster sichtbar macht, markiert die Bewegung von analogen zu digitalen Kopien. Das Industriezeitalter wurde von analogen Kopien angetrieben, sie sind perfekt und billig. Das Informationszeitalter dreht sich um digitale Kopien. Digitale Kopien: perfekt, umsonst und beweglich.

Umsonst ist eine Eigenschaft, die man nur schwer ignorieren kann. Sie verstärkt das Kopieren in einer Weise, die vorher undenkbar gewesen wäre. In nur zehn Monaten sind 71 Millionen Kopien der Software „Morpheus“ heruntergeladen worden. Und natürlich wird nicht nur Musik umsonst kopiert. Text, Bilder, Filme, ganze Webseiten. In der Online-Welt wird alles, was kopierbar ist, auch kopiert werden: und zwar umsonst.

In dem Moment aber, in dem etwas umsonst und damit überall ist, verkehrt sich die ökonomische Gleichung. Als es noch neu war, nachts Strom zu haben, waren es die Armen, die Kerzen abbrannten. Als Elektrizität leicht erhältlich und fast umsonst wurde, wurden Kerzen beim Abendessen ein Zeichen von Luxus.

In unserem neuen, übersättigten Online Universum freier, endloser digitaler Duplizierung haben sich die Wertigkeiten verschoben. In der industriellen Zeit waren Kopien oft mehr wert als Originale. (Wer wollte den „originalen“ Prototyp des Kühlschranks besitzen, aus dem der sich entwickelte, den man in der Küche hat?) Die meisten Menschen wollen den perfekten Klon: Je gebräuchlicher der Klon, desto beliebter, denn nur dann entwickelt sich rings um ihn eine Marke, die von anderen respektiert wird, sowie ein Netzwerk aus Serviceleistungen und Reparaturservices.

Aber nun, in der Online-Welt der unendlich kopierbaren, freien Duplikation hat sich die Ordnung verkehrt. Kopien sind so allgemeingültig, so billig (meistens eben umsonst), dass das einzig Wertvolle das wird, was nicht kopiert werden kann.

Und was kann man nicht kopieren? Nun ja: Vertrauen, Direktheit, Personalisierung. Es gibt keinerlei Möglichkeit, diese Qualitäten von existierenden Kopien herunterzuladen oder sie von der CD eines Bekannten zu installieren. Während man Kopien umsonst bekommen kann, muss man zahlen, wenn man etwas Authentisches, Direktes oder Personalisiertes haben möchte.

Service und Dienstleistung

In der Domäne des „Umsonst“ macht Musik das einzige, was ihr übrig bleibt: sie lässt einen für Dinge bezahlen, die nicht leicht zu kopieren sind. Ein entfernter Bekannter wird dir vielleicht die Kopie eines Bandkonzertes rüberreichen, aber wenn du bezahlst, dann wird die Band selbst dir direkt ein paar Sekunden nach der Aufführung selbige zumailen. Sicher, man kann eine Kopie jedes Tracks irgendwo finden, aber wenn du ihn in einem Mix eines legendären DJs haben willst, wirst du dafür bezahlen wollen. Und klar kann jeder eine Kopie von Beethovens 9ter runterladen, aber wenn man sie auf die Audioparameter des eigenen Autos zugeschnitten haben möchte, bezahlt man halt dafür. Oder diese kubanisch-chinesische Rockband, die es neulich auf der Morpheus-Seite gab: Die einzige Möglichkeit, an Meta-Informationen über jeden Track zu kommen, an die Lyrics, Akkordschema etc. liegt darin, eine Beziehung mit ihnen einzugehen, in dem man sie bezahlt.

Die Qualität, an der es einer Welt voller freier Kopien am meisten mangelt, ist Aufmerksamkeit. Jedes Jahr werden mehr als 30.000 neue Alben, CDs usw. veröffentlicht und wieder veröffentlicht und tummeln sich in dem eh schon arg überfüllten Unterhaltungs-Raum des eigenen Kopfes mit neuen Filmen, neuen TV Serien, neuen Büchern, neuen Spielen, neuen Webseiten usw. Egal wie groß der musikalische Appetit sein mag, es gibt einfach nicht genügend Stunden in unserem Leben, um mehr als eine klitzekleine Menge des globalen Angebots an Musik zu hören. Menschen bezahlen tatsächlich, um jemanden zu haben, der für sie diese Musik sondiert, sie ihnen empfiehlt und einem Ausgewähltes in einer amüsanten und einfachen Weise präsentiert. Deshalb werden wohl auch Produzenten, Label und die daran angeschlossene Ökologie der Reviewer, Katalogisierer und sonstige Filter und Führungen weiter einen Job haben. Sie gleichen unseren Zeitmangel für die kommenden 10 Millionen Alben aus, die wir in den nächsten 50 Jahren noch erleben werden. Letztendlich wird allein deshalb in der Domäne des Umsonst eine Menge Musik verkauft werden, weil es einfacher ist, Musik, die man wirklich mag, zu kaufen, als sie zu finden.

Aber „Umsonst“ als Schicksal wird überbewertet. Es ist nur die zweite Phase der drei Stadien des Kopierimperiums. Das erste Stadium ist die Perfektion in der analogen und digitalen Welt. Aus perfekten Kopien entstand ebenso die moderne Welt wie die moderne Musik. Das zweite Stadium ist das Freie, das „Umsonst“. Nahezu ohne Kosten zu kopieren, das machte Napster möglich und so etwas wie eine musikalische Revolution denkbar. Aber es ist erst das dritte Stadium der Kopierbarkeit, in dem die eigentliche Revolution liegt: Und diese dritte Kraft liegt in einer neuen, fließenden Beweglichkeit der Daten. Durch sie wird Musik sich viel weiter entwickeln, als wir es uns mit Napster träumen lassen.

Die Beweglichkeit digitaler Daten

Denn digitale Kopien sind eben nicht nur perfekt und umsonst, sondern eben auch besonders beweglich. Ist Musik erst mal digitalisiert, hat sie die Eigenschaften einer Flüssigkeit, die gemorpht, gebogen und verlinkt werden kann. Man kann sie filtern, archivieren, re-arrangieren, remixen, mit ihr herumspielen. Und man kann das mit Musik machen, die man selber schreibt, die man hört oder die man sich borgt.

Es sah zunächst so aus, als wäre die Öffentlichkeit besonders an Onlinemusik interessiert, weil sie „umsonst“ ist; in Wirklichkeit aber entstand dieser Rausch auf Grund der Beweglichkeit von digitalisiertem Sound. Erst als es Musik möglich geworden war, in unserem Leben ungebunden herumzuschwirren, entdeckten Millionen von Menschen, die Peer-To-Peer-Software herunter geladen hatten, dass es tausende von magischen Tricks und Kunststücken gibt, die man aufgrund der neuen Mobilität der Musik auf einmal mit ihr anstellen könnte. Es ist nicht nur, dass es umsonst ist; es ist ausschlaggebender, was man mit Musik alles machen kann.

Ist Musik erstmal digitalisiert, zeigen sich neue Verhaltensweisen. Mit beweglicher Musik hatte man die Macht, die Abfolge von Tracks auf einem Album oder zwischen ihnen zu verändern. Dann kam das Morphen von Klängen, bis sie zu einer neuen Situation passten. Man sampelt Noten aus Stücken von jemand anderem und verwendet sie weiter. Man durchleuchtet die Innereien von Musik, skizziert ihre Struktur und verändert sie. Man substituiert neue Lyrics. Man arrangiert Tracks so, dass alle Parts einen neuen Klang bekommen. Man produziert einen Track so, dass er im Auto besser klingt. Man verschmilzt Musik miteinander, dass neue Hybride entstehen; verkürzt ein Stück oder macht es doppelt so lang.

Mit der Digitalisierung wurde aus der Seinsweise der Musik als Substantiv wieder ein Verb.

Mit Musik in der Freizeit spielen

Wäre diese dritte Möglichkeit der digitalen Kopie schon jetzt voll ausgespielt, dann wäre die Welt ebenso voller Menschen, die mit Musik und Sound herumspielen, wie sie Photos schießen und Webseiten basteln. Der typische Skeptizismus gegenüber diesem Szenario musikalischer Kreation und Recycling lautet: es ist immer einfacher, etwas zu lesen als zu schreiben, immer einfacher, etwas zu hören als zu spielen, zu sehen als selber herzustellen. Das wird stimmen, aber hätte einem jemand vor zehn Jahren erzählt, dass normale Leute sich massenweise teure Computer kaufen, um eine Auszeit vom Fernseher zu nehmen und nebenher ein paar Billionen Webseiten herzustellen – nun, den hätte man wohl als Idealisten und Utopisten ausgelacht. Man sagte zwar: Die Menschen sind einfach nicht so kreativ und haben gar keine Lust, sich Zeit für so was zu nehmen. Entgegen dieser Prophezeiung gibt es aber 3 Milliarden Webseiten. Vermutlich ist das Wachstum des Netzes eine der größten kreativen Bewegungen, die unsere Zivilisation je hat beobachten können. Musik könnte es mit einer ähnlich irrational aufblühenden, überwältigenden Masse von Amateurkreativität im positiven Sinn zu tun bekommen.

Ein Grund dafür, warum Menschen Text, Graphik und anderes in der digitalen Welt produzieren, ist mit Sicherheit die Erfindung neuer Tools. Musikfans schieben eh schon Playlists hin und her, remixen Tracks, sampeln Sounds, legen neue Drums unter Musik oder anderes. Sie machen also schon jetzt auf eine Weise Musik, wie man mit einer Kamera Bilder macht: Nehmen, was da ist und einen speziellen Blick darauf werfen. So wie die Einführung der Brownie-Kamera die Photographie von einer Kunst für Experten zu einer weltweiten Ausdrucksform gemacht hat, ist es mit den richtigen Tools in der Hand kein großer Schritt mehr dahin, dass jeder Musik macht. Auf seine Weise.

Die Zukunft des Musikers ist in Bewegung

Sehr viel von der Aufregung um Napster wird als die Frage nach der Zukunft von Musik verkauft. Aber egal was passiert, in der Welt der Zukunft wird es viel Musik geben, die von sehr vielen Menschen gehört werden wird. Die Frage sollte sich weniger um die Zukunft von Musik überhaupt drehen, als vielmehr um die Zukunft des Musikers. Die Rolle des professionellen Musikers ist in Bewegung. Aber auch hier gilt: das war schon immer so.

Die Regeln, um aus Musik einen Lebensunterhalt zu machen, sind seit dem ersten Drumbeat ständig neu erfunden worden. Bis zum 20. Jahrhundert wurden die Musiker in der westlichen Gesellschaft eher verächtlich behandelt, ihr Status war dem eines Vagabunden ähnlich. Selbst den erfolgreichsten Musikern wurde misstraut.

Erst die Aufnahmetechnik verwandelte den Musiker in eine gewöhnliche Profession. Die Aufnahme- und Kopiertechniken verbesserten im letzten Jahrhundert ständig die Rolle, die der Musiker spielen durfte, bis sie heutzutage endlich den Status von Reichen und Berühmten erreichten. Ein paar hundert Jahre vorher haben nur eine handvoll von Musikern davon geträumt. Mozart hatte es nie so gut.

Die Ankunft perfekter, freier und beweglicher Kopien von Musik führt dazu, dass Musiker mit neuen ökonomischen Modellen des Musikmachens konfrontiert werden: Wird das Modell der Zukunft sein, Kopien umsonst zu verschenken, damit man einen Livegig verkaufen kann? Oder wird man so schnell aus dem eigenen Studio die Musik vertreiben, dass kein Filesharingprogramm hinterherkommt? Verkauft man Musik in einer so schönen Verpackung, dass es einfach billiger wird, sie zu kaufen als zu kopieren? Die wahrscheinlichste Antwort: All das, und mehr.

Wenn es eine Lehre aus den Online-Welten gibt, dann die, dass sich die Optionen multiplizieren. Ich würde darauf wetten, dass in den nächsten zehn Jahren junge Bands auftauchen werden, deren Haupteinnahmequelle ihr kommerzieller Sponsor ist. Die Band wird tun und lassen können, was sie will, aber der erste, der eine Option auf die neuen Tracks bekommt, ist der Sponsor, der sie dann für seine Werbung verwerten kann. Der Sponsor bekommt coole, hippe Musik und die Band bekommt über die Werbung ein Auditorium von Millionen. Und was die Firma nicht benutzt, das können die Musiker selber rausgeben, umsonst.

Musik zu produzieren, die weithin angenommen und beliebt ist und nach der die Leute verlangen, ist harte Arbeit. Es mag albern klingen, einem arbeitenden Musiker zu erklären, dass Musik in der Online-Welt weiter bearbeitet, wieder neu kreiert und co-produziert werden wird. Wie kann eine unbegabte Öffentlichkeit etwas erzeugen, dass von vielen geschätzt wird?

Die Antwort könnte zum Teil heißen, dass viele von uns da nicht mitspielen. Es wird immer noch diese seltene Person geben, deren Musik jeder haben will, denn Hitmusiker haben auch eine eigene Form von Ökonomie. Aber die meiste Musik, ähnlich wie in der Fotografie, muss nicht jedem gefallen. Die meisten Fotos werden von Amateuren gemacht und interessieren nur ihre Familien.

Die Zukunft von Musik ist ungewiss, aber was immer sie sein wird, sie wird von Technologie komplett durchdrungen sein. Carver Mead, ein Computerchip-Pionier, empfiehlt uns, auf die „Technologie zu hören“, wenn wir wissen wollen, wohin sie sich bewegt. Und wenn wir das tun, dann könnten wir folgende Möglichkeiten bemerken:

– Songs selber sind billig; was teuer werden wird, sind indizierbare, also durchsuchbare offizielle Lyrics.

– Auf Auktionsseiten werden Musikliebhaber aktive Playlisten kaufen und verkaufen, die hunderte von Tracks in einer kreativen Sequenz arrangieren. Die Listen sind Templates, die Songs auf der eigenen Festplatte neu sortieren.

– Man wird private Label abonnieren, deren Agenten die Clubs durchkämmen und aus dem Angebot das herausfiltern, was den eigenen Präferenzen entspricht.

– Die populärsten Bands der kommenden Zeit werden vor allem sehr gute „Jingles“ produzieren, so wie die besten Regisseure zur Zeit vor allem gute Werbung produzieren.

– Eine generative Box erzeugt Background Musik, die den eigenen Vorlieben entspricht. Die Musik kommt von Drittanbietern, die die Orginaltracks von den Musikern kaufen.

– Wer Tanzmusik liebt und gerne auflegt, kauft Versionen von Tracks, die auf alle einzelnen Spuren Zugriff liefern.

– Du bezahlst deine Lieblingsband dafür, dass sie dir ihr Konzert streamt, während es läuft, obwohl du es hinterher eh noch irgendwo umsonst runterladen könntest.

– Die Menge an Musikstilen wird weiter explodieren. Sie entstehen schneller, als man sie benennen könnte, so dass sich eine Art Dezimales Dewey System entwickelt, das man jedem Track anhängt, um ihn kategorisieren zu können.

– Für eine kleine Menge Geld werden die Produzenten deines Stars dir seine Performance genauestens an die Akustik deines Wohnzimmers anpassen.

– Es gibt so viele Remixversionen von einem Hit im Netz, dass man gerne die 5 $ ausgibt, um die offizielle „authentifizierte“ Version zu bekommen.

– Für Bands, die touren, wird das Umsonst-Herausgeben von Musik so etwas wie eine billige Form der Werbung sein. Je mehr sie ihre Musik in Umlauf bringen, desto mehr Leute sind auf ihren Konzerten.

– Die Musiker mit dem höchsten Status sind die, die einen eigenen Stream ihrer Musik auf einem 24-Stunden-Kanal im Web haben.

– Musiksammlungen (wie Fotosammlungen), die keinerlei Lizenzgebühren haben, gibt es für jeden Gebrauch. Sie werden mit der Erfindung einer Musiksearchengine explodieren, die wirklich „ähnliche“ Musik finden kann.

– Die bestverkauften Formate für Musiker werden „Whole Package Deals“, in denen Video Clips, Liner Notes, einzelne Remixspuren von Tracks, Reviews, Anzeigen und Artwork alle zusammen auf einem limitierten, gut designten Medium versammelt sind.

– Egal ob man mit ein wenig Aufwand umsonst und in dem Format jeden Track runterladen kann, man wird sie bei seinem Lieblingsshop im Netz kaufen, einfach weil er so wunderbare Searchengines hat und so vertrauenswürdige Tips, so dass das Einkaufen eine einfache, sichere und angenehme Erfahrung sein wird.

Letzendlich ist die Zukunft von Musik einfach: mehr Auswahl. Und während die Möglichkeiten von Musik expandieren, verbessern unsere sich gleich mit.

Kevin Kelley

Weitere interessante Links zu Kelly…

folgender Artikel im Original-PDF plus weitere interessante Artikel:

www.de-bug.de/share/debug59.pdf

Youtube-Videos mit Kevin Kelley:

http://www.youtube.com/watch?v=1S0-S36pMo4

http://www.youtube.com/watch?v=J132shgIiuY

http://www.youtube.com/watch?v=ap-ZC21bk18

bedeutendes Tech-Magazin, welches Kevin Kelley 1993 mitbegründete:

www.wired.com

Spiegel-Online-Interview mit Kelley über Menschen und Roboter:

www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,249766,00.html

BK , 27.06.2009

„ich hätt‘ da mal ne frage…“

vor einigen tagen musste ich zur arbeit – ich arbeite als tontechniker. auf einem konzert sollte ich eine band mischen. eigentlich was ganz normales.. nur dass diesmal die ablaufinfos etwas anders lauteten als sonst.  13 bis 17 uhr arbeiten war die ansage. aber konzerte sind doch normalerweise abends? mir wurde dann mitgeteilt, dass es sich um ein showcase handle. was ein showcase ist, weiß sicherlich jeder… und wer es nicht weiß: ein showcase ist kein gewöhnliches konzert mit gästen, sondern eine liveshow einer band für plattenfirmen, verlage, tourmanager, booker, andere beteiligte in der veranstaltungs- und musikbranche und eventuell presse. mir wurde gesagt: „alles ganz locker, eine band kommt vorbei, ihr macht soundcheck, dann kommen einige wenige gäste und die band spielt drei songs.“  aus den „gästen“ wurde „ein gast“ = ein a&r manager einer grossen plattenfirma.  echte namen darf und möchte ich hier nicht nennen… auf jeden fall kam um 13h die band und mir fiel etwas auf… alle sahen aus wie… wie… wie soll man sagen… wie männliche models? ja das trifft es. naja. zwei männer begleiteten die band. kurz gequatscht und heraus bekommen, die beiden herren arbeiten für einen musikverlag, arbeiteten früher bei major-labels.  die bandmitglieder seien schauspieler, models… aber gelernte musiker. ALLE. man wolle also die band live testen. der a&r manager sollte die band dann beurteilen und in naher zukunft eventuell unter vertrag nehmen. die band baute ihre instrumente auf und ich (BK) hatte etwas zeit mit den beiden begleitern (nennen wir sie E und T) der band zu reden.  zum a&r manager komm ich später noch.

BK: „… ach ihr arbeitet in der musikbranche. das ist ja interessant. ich studiere am musikwissenschaftlichen institut hamburg.  da wärt ihr interessante interviewpartner.“

(lachen)

BK:  „ich hätt‘ da mal ne frage… wie kommt es, dass bands es heutzutage so schwer haben einen deal zu bekommen?“

T:  „weißt du, ich komm grad von einer musikmesse aus england. da hab ich mindestens 60 gute bands gesehen, die ich sofort hätte signen können. es gibt einfach sooo viel. man muss schon was besonderes bieten“

E: „ja, es gibt viel mehr qualitativ hochwertige produktionen als noch vor 20 jahren. und die gewinneinbrüche in der branche sind ja auch jedem bekannt.“

BK: „thema filesharing und downloads…?“

E: „ja, genau. was da vor sich geht ist eine große sauerei. musik runterzuladen ist wie brot bei einem bäcker zu klauen. das geht einfach nicht, das ist kriminell.“

BK: „und was kann man dagegen tun?“

E: „das einzige was hilft, dies wird in frankreich nun auch angestrebt, sind höhere strafen. lad einmal was runter: abmahnung, lad zwei mal was runter: geldstrafe. und wenn gar nichts mehr hilft: gefängnis. denn das ist nichts anderes als diebstahl und der muss hart bestraft werden. in einer bäckerei brot zu stehlen ist nichts anderes.“

BK: „ach so. aber hat es die indutrie nicht etwa verschlafen, notwendige maßnahmen zu ergreifen? vor 15 oder 20 jahren?“

T: „welche industrie? wir hatten meinetwegen 4 große labels in deutschland. diese sind konkurenten, zusammenarbeit war und ist die ausnahme. warum sollte eine plattenfirma mitziehen, wenn eine andere etwas will? 1997 hat unser vorstand gesagt: ‚das internet und die digitale musikverbreitung ist nur ein vorübergehendes phänomen. dies wird vergehen‘.“

BK: „und das habt ihr geglaubt? der trend zum internet war doch klar abzusehen.“

T: „der status quo sollte beibehalten werden…“

BK: „hätte man nicht 1997 schon musikflatrates anbieten können?“

T: „(lacht) du glaubst doch nicht wirklich, dass sich das durchgesetzt hätte. links: du bezahlst 15 mark im monat und kannst musik herunterladen. rechts: du bezahlst gar nichts und lädst dir alles kostenlos runter. was die menschen gemacht hätten und was sie nun auch machen ist doch wohl klar.“

dies war ein interessantes gespräch. die band baute auf, wir machten den soundcheck, alles gut. gegen 16uhr kam der a&r manager, setzte sich neben die beiden herren E und T in der mitte des saals auf einen hocker. die band fing an zu spielen. sie spielten drei songs. pop musik. gut gespielt, also technisch 1a. der a&r manager: „den zweiten song bitte nochmal.“ T: „jungs, den zweiten song bitte nochmal.“ die band „alles klar!“. sie spielten den song. danach kurzes shakehands bei der band, dann setzten sich alle zu dem a&r-menschen und zu E und T in einen hockerkreis.

A&R Mensch: „also ihr macht das schon ganz gut. ihr spielt eure instrumente gut und gerade der zweite song würde sehr gut funktionieren. nichtsdestotrotz müssen wir etwas besonderes bieten. und das besondere an euch ist, dass ihr zwar alle musiker seid, aber eigentlich aus komplett unterschiedlichen bereichen kommt.. einige von euch sind models, andere schauspieler und so weiter…“

BANDMITGLIED: „ja, wir hatten da ein konzept von ‚popstars meets germanys next topmodel‘ im hinterkopf.“

A&R Mensch: „ja, genau. das dürfte funktionieren. dann müssen wir schauen wie wir das vermarktet bekommen. zielgruppe ist bei euch halt mädchen von 12 bis 18 jahren. das heißt auftritte, shows etc in den geeigneten medien sind unerlässlich. auch wenn es sein muss so etwas wie GZSZ. (lachen) also wie gesagt: ich find das schon ganz gut. ich werd mal ein paar gespräche führen und meld mich dann bei euch.“

weitere einzelheiten möchte ich hier nun nicht preisgeben. trotzdem fand ich die herangehensweise der industrie, sowie die gespräche sehr informativ. mal sehen wohin die reise geht…

beste grüße,

B.K. 23.06.2009

Also der Dieter ist der Meinung, dass Live-Gigs die Zukunft sind. Finde ich persönlich ja schon mal nicht verkehrt, ist das doch eigentlich schon immer so gewesen. Das trifft letztendlich für die meisten Musiker zu, während viele prominente Nichtmusiker in der Vergangenheit auch ohne musikalisches Mindesttalent nicht davor zurückschreckten mal schnell mit einem Produzenten eine Platte aufzunehmen und damit auch noch in die Charts kamen.

Siehe hier!

Leider gibt es inzwischen auch bei Live-Konzerten den Trend zum Vollplayback (was für ein Paradoxon), so dass die natürliche künstlerische Selektion wohl ein frommer Wunsch bleiben wird.

Siehe hier!

Oder hier – der ist auch gut!

Eine weitere Zukunft für Musiker? Tja, da war doch was… äh darf’s vielleicht ein bisschen Werbung sein? Aber ja doch, logo! Marken, logo!! Markenlogo!!!

Kann man das schöner singen als Christoph & Lollo hier?

Müssen sich Musiker in Zukunft über diesen kleinen Unterschied Gedanken machen:

wahre Künstler oder Ware Künstler?

Zumindest in der Popmusik ist das wohl gar nicht so dramatisch. So war doch schließlich die künstlerische Ästhetisierung des Kommerzes die Keimzelle der Popkultur. Popmusik als ambivalenter Zwitter aus simpler Unterhaltung und Kunst.

Aber zurück zum lieben Geld, das wissen wir alle, steckt immer noch in der Werbung. Die einfachste Art für Musiker ist dabei immer noch das Sponsoring. Einfach ein Markenlogo auf die Eintrittskarte, oder ein Banner über die Bühne und dafür soll der Sponsor dann bitte überweisen.

Ach der Sponsor will inzwischen noch mehr als nur sein Logo präsentieren? Äh, ja also dann …

Darf’s noch ein bisschen mehr sein? Vielleicht ein kleiner Auftritt in einem Werbespot? Hm, kommt drauf an. Um welche Marke geht es denn? Apple mit dem neuen iPod? Logo! Becks? Logo! Adidas? Logo! Ach so, ein Versicherungsunternehmen,  tja … wie viel sagten Sie noch mal, wollen Sie zahlen?

Für viele Musiker mag es eine prinzipielle Frage sein, ob sie sich überhaupt auf Werbung oder ähnliches einlassen wollen. Andere tragen das „I’m a Mac“ T-Shirt freiwillig auf der Bühne, ohne dafür auch nur einen Cent zu bekommen. Für die Mehrheit der bekannteren Künstler ist es dagegen eher eine Frage des wie, mit wem, wo, wann, warum und natürlich auch des wie viel.

Für die musikalische wie auch werberische Newcomerin Duffy haben sich all diese Fragen geklärt. Sie hat nach einer Werbekooperation mit Coke light beschlossen, sich in Zukunft wieder voll auf ihre Musik zu konzentrieren und keine Werbung mehr zu machen (hier geht’s zur ganzen Geschichte).

Hat sie damit das Kind aus dem Bad geschüttet?
Mit dieser und vielen ähnlichen Fragen beschäftige ich mich seit geraumer Zeit auf www.popsponsoring.de
International diskutieren kann man das jetzt auch auf www.bands4brands.eu
Ich freue mich auf Euren Input
Cornelius Ringe

Ps: Iggy Pop und die Kfz-Versicherung ist sensationell!

Ich habe neulich ein interessantes Bohlen-Interview bei Johannes B. Kerner gefunden. Darin geht es auch kurz um die „Zukunft der Musik“.

Bohlen sagt darin ganz deutlich, dass man heutzutage mit Plattenverkäufen kein Geld mehr verdienen kann – deswegen gehen jezt auch alle Künstler auf Tournee.

Ist ja eigentlich nix neues, aber die konkreten Zahlen die er nennt sind schon interessant:

Früher, so Bohlen, habe man am Tag 20.000 Platten verkaufen müssen um auf Platz 1 zu kommen. Wenn man heute hingegen nur 2.000 Platten pro Tag verkaufen würde, dann, so meint er, gehe man locker auf Platz 1. Weiter sagt Bohlen, wenn man heute 50 Platten am Tag verkaufen würde käme man schon locker in die Charts.

Ich bin ja wahrlich kein Bohlen-Fan, denn die „Musik“, die er mitunter so verbrochen hat, führt bei mir meist dazu, dass sich meine Fußnägel hochkrempeln, aber seine Einstellung zu den illegalen Downloads ist schon sympathisch.

Junge Menschen aufgrund von illegalen Downloads in die Nähe von Strafbarkeit zu rücken findet er „absoluten Schwachsinn!“

Die Industrie gäbe den Jugendlichen doch erst die Möglichkeiten das zu machen und würde an der Hardware auch mitverdienen. „…wir haben doch früher alle vor unseren Radios gesessen und die Hitparaden aufgenommen! Was machen die denn jetzt anders? Garnix! … du kannst doch den Leuten nicht sagen: hier ist ein Hammer! Aber jetzt hau den Nagel nicht in die Wand!“

Fazit:

Kerner: „Der Künstler soll also einfach seine Musik machen, die soll downgeloadet werden, dann hören es viele, dann geht er eben auf Tournee und wenn sich die Leute das live anhören wollen, dann kostet ne Karte € 45,- und dann holt er sich das Geld da ab.“

Bohlen: „So wird’s sein in der Zukunft!“

Wer es selber angucken möchte: z. B. hier und hier.

GEMA in Rente!

21. Juni 2009

Die GEMA ist scheinbar am Ende, oder wie soll man sich die Entwicklungsgeschwindigkeit dieses Instituts, die an Galápagos – Schildkröten erinnert, sonst erklären, die in der heutigen Zeit nur als überholt betrachtet werden muss. Der Protest gegen die alten Strukturen wird solange ignoriert, bis es nicht mehr geht. Bestes Beispiel ist die Aktion („Musiktheater“) von Johannes Kreidler, die in den Medien starke Resonanz fand. Scheinbar muss man zu solchen Mitteln greifen um die GEMA zum Umdenken zu zwingen und wenn das so ist, dann hat sie nicht begriffen, dass es heute kaum noch möglich ist sich nicht der neuen „Medienlage“ anzupassen.

Bei dem virtuellem Pitch (Blog-Seminar / Zukunft der Musik , 09.06.2009), bei dem die Idee die GEMA zu ersetzen bzw. eine Alternative anzubieten, auf positive Resonanz stieß, fiel mir der Artikel im Handelsblatt („GEMA fordert 600 Prozent mehr“, 29.01.2009) wieder ein, auf dessen Thematik einige Beiträge hier im Blog auch schon Bezug genommen haben. Ursprünglich basierte meine Idee zu Thema „Killeraplikation 2.0“ auf einem anderen Artikel (Spiegel-Online, 08.06.2009) bei dem es um ein anderes Vergütungssystem bei Blog-Journalisten geht (Trueslant). Der Rip-Off, den ich vorläufig „Music-Port“ taufte, hat diese Idee aufgegriffen und abgewandelt. Autoren bauen sich einen Leserstamm auf und werden nach Abonnenten bzw. der Anzahl gelesener (bzw. angeklickter) Artikel vergütet. Sie bündeln sich weiterhin unter dem Dach eines Verlages (Trueslant), der für sie die Plattform stellt und sie bezahlt. Das scheint bei Texten zu funktionieren, warum nicht also auch mit Musik?

Das Problem sinkender Zeitungsverkäufe kennt der Printbereich genauso wie die Musikindustrie. Man plant auchdas umgekehrte Modell (Verlage planen eine Art „GEMA für Onlinetexte“). Auf lange Sicht wird immer mehr ins Internet verlagert. Natürlich nicht ALLES, aber Computer die keine Festplatte mehr haben, da man auch diese ins Netz verlegen kann, gibt es ja schon. Was früher noch auf Videokassette aufgenommen wurde und später auf CD und DVD, findet sich heute bei Youtube, Clipfish, MyVideo oder GoogleVideo und ist ein gutes Beispiel der neuen Lage, die von der Gema beharrlich bis zu geht-nicht-mehr ausgeblendet wurde.

Mittlerweile einigten sich Youtube und Gema zwar, dieser Prozess ist aber wohl noch lange nicht abgeschlossen. Erstens muss viel auf Seiten der GEMA nachgeholt werden und zweitens kann man nicht absehen, wohin sich das Internet noch entwickelt, das die Entwicklungen maßgeblich antreibt. Jedenfalls ist es nicht ratsam sich diesen Entwicklungen, die mehr und mehr Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft haben zu ignorieren. Die GEMA mit ihrer (Quasi-) Monopolstellung hat sich da lange Zeit gelassen und bekommt jetzt die Rechnung präsentiert – sie MUSS nachrüsten und umdenken. Diese Notwendigkeit findet sich auch in der Petition (v. 19.05.2009), die dem Bundestag vorliegt.

[…] Der Deutsche Bundestag möge beschließen….dass das Handeln der GEMA auf ihre Vereinbarkeit. mit dem Grundgesetz, Vereinsgesetz und Urheberrecht überprüft wird und eine umfassende Reformierung der GEMA in Hinblick auf die Berechnungsgrundlagen für Kleinveranstalter, die Tantiemenberechung für die GEMA-Mitglieder, Vereinfachung der Geschäftsbedingungen, Transparenz und Änderung der Inkasso-Modalitäten vorgenommen wird.[…]

An dem Ausmaß der Reaktionen, allein in diesem Blog, lässt sich leicht erkennen, wie das Bild der GEMA in der Wahrnehmung auch Nicht-Betroffener ist. Ganz zu schweigen von denen, die mit diesem Saurier zu kämpfen haben und denen sofort andere Mittel einfallen, für gerechtere Preise bzw. Vergütungen zu sorgen. Der Widerstand formiert und organisiert sich. Eine Abschaffung ist kurzfristig wohl unrealistisch, aber es wird sich zeigen, ob dieses Modell langfristig noch tragbar ist.