Pleasurize Music Foundation

29. Mai 2009

„Es ist nicht verwunderlich, dass Musikfans die Bereitschaft verlieren, Musik legal zu erwerben, wenn aktuelle Veröffentlichungen so gnadenlos überkomprimiert sind, dass selbst der größte Fan abschaltet. Bei den Red Hot Chili Peppers (z.B. „Stadium Arcadium“) ist auf der CD die natürliche Dynamik der Band nicht mehr zu hören, während die tolle Drum-Performance des Garbage Schlagzeugers völlig verzerrt zu hören ist („Bleed Like Me“). Madonna („Hard Candy“) macht agressiv und führt auf Disko-Anlagen zu Verzerrungen. Bei Metallica („Death Magnetic“) bleibt die Aussteuerungs-Nadel gleich permanent im roten Bereich! Das Gleiche geschieht mit dem vermeintlichen Qualitätskriterium Surround. Neun von zehn mit Surround ausgezeichnete Veröffentlichungen klingen schlechter als der originale Stereomix oder sind billige Upmixe mit Surround-Simulation – keine Voraussetzung, dem Musik-Hörer ein neues High-Resolution-Format auf Blu-ray-Basis anzubieten.“ (Auszug aus der Webseite der Pleasurize Music Foundation, eigene Übersetzung)

Der so genannte Lautheitskrieg oder im Englischen „Loudness War“ ist einer der am häufigsten diskutierten Trends in der modernen Musikproduktion. Während Künstler und Labels auf immer mehr Lautheit (lautere Mixe) drängen, macht sich Friedemann Tischmeyer auf, mit seiner Pleasurize Music Foundation für Aufklärung bei Musikern, Labels und Verantwortlichen zu sorgen und diesem zerstörerischen Trend entgegenzuwirken.

Was ist der Lautheitskrieg (siehe Video)?

„The Loudness War designates the senseless competition between record companies which involves releasing music with increasingly high amounts of compression (the „compression“ of dynamic levels so that originally quiet passages are as loud as the loudest parts of a song). This results in products which are increasingly obtrusive in order to fight for the listener’s attention. “ (Auszug aus der Webseite der Pleasurize Music Foundation)

Weitere Informationen zum Thema hier.

Die Pleasurize Music Foundation

„Die Pleasurize Music Foundation hat im Januar 2009 ihre Arbeit aufgenommen und ist eine Non-profit-Organisation mit Sitz in Kalifornien. Unser Ziel ist die qualitative (klangliche) Aufwertung von Musik in ihren unterschiedlichen Formaten. Hierzu gehören Tonträger aller Art ebenso wie Radiowiedergabe und Datenreduktionsverfahren wie mp3. Nur Musik, die auch ein positives Hörerlebnis bietet, ist ihren Preis wert. Wir stärken mit dieser Aufwertung den Wert der Musik im kreativen Schöpfungsprozess in der „Nahrungskette“ der Musikindustrie. Ziel ist, die Bereitschaft zu erhöhen, für hochwertige Musik gerne Geld auszugeben und so für alle kreativen Beteiligten des Entstehungsprozesses von Musik einen gesünderen Nährboden zu schaffen.“
(Auszug aus der Webseite der Pleasurize Music Foundation, eigene Übersetzung)

Turn Me Up!

Tatsächlich habe ich gerade gelesen (und es selbst noch nicht überprüfen können), dass Norah Jones „Come With Me“ soll doppelt so laut sein (in RMS gemessen) wie Nirvanas „Nevermind“… Da hat sich der gute Charles Dye (Mixing Engineer für Aerosmith, Bon Jovi, Shakira etc.) wohl gedacht: Das kann so nicht bleiben! Ich gründe mein eigenes Gütesiegel für dynamikreiche Platten: „Turn Me Up!“ http://www.turnmeup.org/
Charles Dye hat auch schon das „grandiose“ Livin La Vida Loca vom spanischen Hüftkreisweltmeister Ricky Martin gemischt. Laut Eigenaussage bedauert er heute, dass er damals schon dem Mastering Engineer Ted Jensen den Mix so laut anlieferte, dass dieser besagte Mastering Engineer noch heute für zu lautes Mastering gerügt wird. Dabei war das Charles Dyes Schuld , wie er heute selbst zugibt. Mit „Turn Me Up“ wird Künstlern die Chance gegeben, ihr Werk als dynamisch auszuweisen, und dem Hörer zu sagen: Hier ist nichts falschgelaufen – Ich, der Song / das Album bin / ist nicht kaputt 🙂 Mach mich einfach lauter. Dies soll dazu führen, das Künstler sich nicht mehr scheuen müssen, „leiser als die Konkurrenz zu sein“. Meiner Meinung nach ist das eine hervorragende Idee, die ich auch an viele Künstler weiterleiten werde.

Die „Realität“


Dank vieler Diskussionen um das Thema Loudness War, sind die meissten jungen Engineere darauf bedacht, wieder geschmackvolles Mastering anzubieten. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass übermasterte Produktionen in Masteringkreisen immer schnell an den Pranger gelangen. Man schaue sich nur in einschlägigen Foren um, etwa bei GEARSLUTZ.COM die „rate my mix“-Sektion. Zu laute Master werden partout als „handwerklich schlecht“ deklariert. Die Engineers der jüngeren Generation haben anscheinend bereits verstanden, was „zu laut“ ist.
Aber haben das die Labels, Künstler und Plattenfirmen auch verstanden ? Letztlich bestimmen diese, was auf den Markt gelangt. Produzenten und Engineers sind dabei eher die Dienstleister, die Folge zu leisten haben…

Ich empfehle, das Interview mit Mastering Guru Friedemann Tischmeyer anzuhören. Interessantes und Kurioses aus der Welt des Masterings 😉 Unter anderem wird das Dynamic Range Metering vorgestellt, Tipps zum dynamischeren Mischen/Mastern gegeben.

Achtung: 1 Stunde!! Tipp: Vorspulen zu Minute 2, um lästige Programmansagen zu überspringen.

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4 Responses to “Pleasurize Music Foundation”

  1. Merly Merl Says:

    Oh mann, ja stimmt…jetzt wo Du’s sagst. klingt irgendwie alles immer nur nach Brett. Andererseits kömmt einem ein Stück aus den 90ern zwischen zwei Hits von heute immer so vor, als hätte es einfach nicht genug Wumms. Man hat sich schon so an den Druck der Stücke von heute gewöhnt. Ich frag mich, ob der Trend im Mastering mit der Art des Musikkonsums zu tun hat. Früher wurde Musik zuhaus (von Vinyl) über gute bis sehr gute Anlagen genossen, die sehr differenziert die verschiedenen Frequenzen wiedergeben konnten. Heute wird vor allem Mp3 über Kopfhörer gehört und die können von Natur aus ja eher die mittleren Frequenzen bedienen. Um so mehr muss das, was nach dem mp3-Hobel noch übrig bleibt, aufgedröhnt werden.

    Übrigens, deine Links sind alle tot. Kannste das kurz beheben ?

    • dannydcb Says:

      ich habe allerdings das gefühl, das die jungen mastering engineere momentan so auf den lautheitskrieg getrimmt werden,
      dass – 9 db rms bei den meisten die Schmerzgrenze ist. Letztlich bestimmt der Kunde (Band / Künstler), wie laut es werden „muss“.
      Musik machen und vor allem „besser Musik machen“ ist leider heute das Argument… Ich bin besserer als wie du… Ich bin lautererer als wie du….

      Ich weiss garnicht, ob wir den Konsumenten die Schuld geben sollen, oder der Industrie. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viele Bands den
      Lautheitskrieg wahrnehmen und bewusst umgehen wollen. Das sind dann meist eher die Labels, die sagen : mach Laut.
      so : blame the industry! 😉

      ich empfehle, das mp3 interview anzuhören, viele interessante einsichten ins mastering geschäft –
      meiner meinung nach hat die ganze diskussion großen Einfluss darauf, wie wir (als Konsumenten ) in zukunft
      musik ästethisch bewerten werden. Denn eine 3 db lauter gemasterte Scheibe klingt im AB vergleich immer besser.
      Lauter (ohne Limiterartefakte) klingt besser… das problem ist nur : wann ist „zu laut“ erreicht…

  2. Klaus Frieler Says:

    Ich muss ja auch zugeben, dass ich eine Platte mit ordentlich Wumms auch nicht immer schlecht finde (aber das ist natürlich stilabhängig.) Richtig aufgefallen ist mir das zuerst beim Auflegen, wenn man erst eine, sagen wir 50er Jahre Blue-Note-Scheibe spielt und dann eine modernes Stück von CD, sagen wir von Herbert, wird der Unterschied doch mehr als ohrenfällig. (Besonders wenn man ein Freizeit-DJ ist und nicht ordentlich vorgepegelt hat…:-))
    Aber wir danndcb schon angemerkt hat: Wann ist laut zu laut? Das ist der Kasus Knacktus. Ich denke aber auch, dass man es heutzutage generell eher übertreibt.

  3. tarnkappe Says:

    Dieses Thema ist mir als Hobby-Plattenaufleger auch schon vor einiger Zeit aufgefallen. Seit dem ich ca. 1999 angefangen habe mir Drum and Bass Platten zu kaufen, schienen mir die Produktionen, von Jahr zu Jahr, immer lauter zu werden. Auch Produktionen die schon 4-5 Jahre älter waren schienen beim Auflegen irgendwie mehr „Gain“ zu benötigen. Bei meinen eigenen Produktionen habe ich auch immer versucht so laut wie nur möglich zu produzieren.
    Zwei Produzenten sind zu meinen Lieblingen geworden, die in Bezug auf die Lautheit von D&B-Produktionen meiner Meinung nach Vorreiter waren – Photek und Dillinja.
    Ersterer viel mir durch seine sehr klaren, aber gleichzeitig auch sehr dynamischen Stücke auf.
    Letzterer, weil er scheinbar brutal überkomprimierte Samples verwendet, die aber auch gerade in dieser Hinsicht eindeutig gewolltes und gezielt eingesetztes Stilmittel sind, das oft kopiert und selten erreicht wurde.
    Das Valve-Soundsystem (von Dillinja und Lemon D ausschliesslich für Drum and Bass Musik konzipierte PA) zollt gerade dem Aspekt der starken Komprimierung Respekt und soll die (d&B) Musik besser als die üblichen Klubanlagen zur Geltung bringen, die all zu oft in die Knie gezwungen werden.
    Die Lautheit trifft also, je nach Hörer, auf unterschiedliche Präferenzen oder (s. Kommentar Frieler) ist stilabhängig einzusetzen.
    Als Kind fand ich gerade Radiomitschnitte (auf Musikkassette) klanglich besser, obwohl sie sehr dynamikreduziert waren. Vielleicht weil ich die Musiksammlung/-anlage meines Vaters viel Dynamik gewohnt war.
    Heute finde ich den „Radiosound“ im Radio oder auf Tonträgern, wenn er nicht wirklich als Stilmittel eingesetzt wird, schrecklich.
    Das Streben nach immer lauterer Musik hat auch meiner Meinung nach schon lange einen Punkt erreicht, der nichts mehr mit dem höchstmöglichen Hörgenuss zu tun hat.

    P.S.: Habe sehr schmunzeln müssen über das interview mit Friedemann Tischmeyer, aber nur weil es selber (evtl. durch Skype) dynamikreduziert ist und ich bei ihm mal ein Praktikum gemacht habe. Er hat anscheinend den damals eingeschlagenen Weg, sich auf das Mastering von Produktionen zu konzentrieren, bis heute verfolgt und es zum Guru gebracht 🙂


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