Musik besitzen?

24. Mai 2009

Wird das (illegale) Downloaden von Musik überflüssig?

Spotify heißt der Dienst, der zurzeit in vielen Musikblogs für Aufregung sorgt, der Startup aus Schweden wird von vielen Bloggern schon als “the next big thing” nach „youtube“ oder „Facebook“ gehandelt.
Für Benutzer in Deutschland ist der Musik-Dienst Spotify zwar größtenteils noch unbekannt, hat aber vor allem in Schweden und Großbritannien schon über 2 Millionen Nutzer.

Das Prinzip von Spotify ist eine Online-Musikbibliothek von zurzeit ungefähr sechs Millionen Titeln, gelagert auf schwedischen Servern, die legal und praktisch ohne Zeitverzögerung von angemeldeten Benutzern gehört werden können.
Durch die Auslagerung auf Server, den so genannten „Cloud Computing“ braucht man sich weder über Festplattenabstürze Gedanken machen, noch Angst haben, für illegale Downloads belangt zu werden. Jeder Benutzer kann sich seine eigenen Playlists zusammenstellen und praktisch von überall darauf zugreifen.

Wozu also noch die Festplatte mit wohlmöglich illegalen mp3s vollmüllen?

Mit einer Technik aus „peer-to-peer“ und „serverstreaming“ folgt Spotify dem Trend zum „Cloud Computing“, besitzt aber auch alle Vorteile einer Desktop-Musikanwendung ähnlich wie iTunes.

Die Idee dahinter ist eigentlich nicht neu und man kann sich fragen, was unterscheidet Spotify von anderen etablierten Internetradios wie zum Beispiel Last.fm?
Eigentlich nicht viel! Aber im Gegensatz zu Last.fm oder ähnlichen Diensten ist Spotify kein Soziales Netzwerk, es gibt außer der Möglichkeit, Playlists weiter zu geben, keinen Austausch zu anderen Nutzern. Spotify zielt vielmehr auf das persönliche, private Hören und versteht sich eher als eine digitale Platensammlung und nicht als ein Internetradio.

„INSTANT SIMPLE AND FREE!“
So wird Spotify angepriesen, das klingt soweit alles ganz gut, aber das Musikangebot ist mit 6 Millionen Titeln verhältnismäßig (noch) klein, die Beatles oder Metallica wird man bei Spotify vergeblich suchen, von vielen Künstlern gibt es nur die neuesten Alben zu hören und kleine unbekannte Interpreten sind überhaupt nicht zu finden.
Zu dem ist der kostenlose, über Werbung finanzierte Dienst von Spotify nur in wenigen Ländern verfügbar. In Deutschland gibt es nur den kostenpflichtigen Premium-Zugang für 10 Euro im Monat.
Auch muss man sich fragen, ob die Musikhörer bereit sind Gebühren wie beim Fernsehen zu bezahlen, oder aber alle paar Stücke eine 30-sekündige Werbepause in Kauf zu nehmen. Und: Wird sich Spotify bei zurzeit eher sinkenden Werbeeinnahmen und steigenden Serverkosten am Markt halten können?
Trotzdem könnte Spotify den Begriff des Musikbesitzes revolutionieren und eventuell eine Lösung im Kampf gegen die Musikpiraterie darstellen.

Zusammenfassend ist Spotify eine gute, aber nicht unbedingt neue Idee mit Ausbaupotential, besonders wenn der Dienst, wie geplant, auch auf mobilen Endgeräten verfügbar wird.

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One Response to “Musik besitzen?”

  1. Klaus Frieler Says:

    Ja, eine interessante Idee, das geht ja durchaus in die Richtung was G. Leonhard & Co. immer so predigen und prophezeien. Kann ich mir persönlich auch vorstellen, meine Musik immer von einer einzigen Stelle zu beziehen und damit überall verfügbar zu haben. Nur: Das heißt auch immer und überall am Netz zu hängen. Das kostet ja auch, und bei der derzeitigen Verlässlichkeit des Netzes (zumindest sind meiner Zugänge, die ich so benutze, nicht vollkommen stabil) kommt es doch immer wieder zu nervigen Pausen, aber gut, dass wird sich vielleicht auch bessern – irgendwann. So attraktiv die Idee ist, mit meinem (derzeit noch virtuellem) iPhone auch in Hintertupfingen immer auf meine Lieblingssongs zu greifen zu können, so macht es mich doch auch von der Netzverbindung abhängig. Zur Sicherheit, würde ich mir dann die besten Sachen doch wieder auf meine Festplatte(n) laden wollen, was das ganze Prinzip dann im Grunde unterhöhlt.

    Das andere ist die Songverfügbarkeit. Man sollte ja denken 6 Mio Songs wäre wirklich viel, aber in der Tat, wenn man einen etwas ungewöhnlicheren Geschmack hat, kann man davon ausgehen, dass diese Sachen dann garantiert nicht dabei sind, und dann ist die Frustration sehr schnell sehr groß. Leider kann man es nicht ausprobieren, denn mal eben einen Vertrag auch nur über 10 Euro/Monat zu schließen ist für „mal eben ausprobieren“ schon nicht mehr akzeptabel. Dazu gibt es eben auch andere Dienste, nehmen wir nur Last.fm (oder mein geliebtes Pandora, dass es ja leider in Europa nicht mehr (so einfach) gibt), die dann deutlich bessere Angebote bieten, vor allem für arme Schlucker mit komischen Musikgeschmack…:-) Ich bin also auch skeptisch, aber dennoch denke ich, dass derartige „externalisierte“ Musiksammlungen eine Zukunft haben. Man wird sehen, wie und in welcher Form.


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