tiefschwarz über technik & so
16. April 2010
hier geht’s um die zukünftige dj-technik, den tod des vinyls und wie sich alles so in den letzten jahren entwickelt hat – interessant:
What’s that?!
15. März 2010
Wahrlich die Zukunft der Musik:
Das tragische Studiosterben
7. März 2010
Nun ist es amtlich (und mittlerweile teilweise schon widerrufen…):
Abbey Road Studios 4 Sale!
Die ehrwürdigen Hallen, in denen die Beatles “All You Need Is Love” aufnahmen, in denen Radiohead ihr “OK COMPUTER” Album erschufen, in denen Robby Williams ein und aus ging: Diese ehrwürdigen Hallen stehen nun ür jeden Erdenbürger (mit 30 Millionen Pfund auf dem Konto) zum Kauf bereit. Der traurige Höhepunkt eines Trend, der sich schon seit Ende der 90′er Jahre abzeichnet. Und auch in der Nähe Hamburgs steht derzeit ein Studio von Weltklasse mit riesigem Live Room, einer unendlichen Auswahl an einzigartigen Mikrofonen und erlesenem Outboard Equipment zum Verkauf: Die Voxklangstudios bei Bendestorf.
Im Einzelnen möchte ich nicht auf den Grund für das Sterben speziell dieser Studios eingehen, aber dennoch Ideen sammeln diskutieren, warum (und ob) die großen und schließlich auch die kleinen Tonstudios in dieser derzeitigen Musikindustrie eines nach dem anderen schließen (werden).
Die Budgets für Albumproduktionen sind seit Beginn der großen Krise der Plattenfirmen deutlich gesunken. Independent Bands z.B. im Rock/Metal Bereich erfahren heute nur noch selten bis überhaupt keine finanzielle Unterstützung mehr. (Anmerkung: Ich arbeite momentan mit einer Mittelalterband, die das Glück haben, tatsächlich noch gefördert zu werden. Dennoch zahlt die Band die Hälfte der Produktion selbst – dies ist aber nach meiner Beobachtung eine riesige Ausnahme).
Somit beläuft sich das Budget einer 4-köpfigen Band (ohne Labelunterstützung) im Schnitt auf selbst zu zahlende 3000 €. In meiner Erfahrung ist das die oberste Schmerzgrenze für die meisten kleinen Bands, die sich mit Tagesjobs am Leben halten, und abends die Clubs “rocken”.
Bei einem angenommenen Mindesttagessatz von 350 € eines kleinen Studios (Voxklang werden dagegen geschätzt mind. 1000 €/Tag allein an Miete kosten, Abbey Road 2000-3000 €) hätte die Band somit gut 9 Tage Zeit für Aufnahme, Editing, Mix, Mastering. Für eine international konkurrenzfähige Top-Produktion wären bei dieser geringen Zeit maximal 2 Songs möglich (Erfahrungswerte). Dies wäre also nicht mal eine EP (~3-4 Tracks)!
Dennoch: Kleine Studios kämpfen ums Überleben – und unterbieten sich im Preis gegenseitig. Also werden Studiowochenenden zu Dumpingpreisen angeboten: 350 € für Freitag-Sonntag – nehmt an einem Wochenende hier eure EP auf! Selbst große Studios (z.B. Boogie Park Studios Hamburg) beteiligen sich an dem Preiskrieg und bieten Bands fragwürdige Produkte unter dem Selbstkostenpreis an.
Die Konsequenz: Mittelmäßige bis peinlich schlechte Produktionen werden abgeliefert. Der Markt wird überschwemmt mit furchtbar verzerrten, uninspirierten musikalischen Kreationen. Musik aus der Konserve verliert an Wert – denn es wurde von Anfang an darauf geachtet, möglichst wenig Aufwand & Geld in die Aufnahme zu stecken.
Michael Jacksons Thriller Album wurde nicht in 1 Woche aufgenommen, gemischt und gemastert. Es wurde mit viel Experimentierfreude, Wissen und letzten Endes Zeit und Budget erstellt. Klanglich heute ein Meilenstein im Pop-Genre – auch dank der finanziellen Unterstützung der großen Plattenfirmen. Dagegen werden heutzutage klanglich fast ausschließlich Tiefpunkte generiert (dies ist natürlich eine rein subjektive Meinung, dies es zu diskutieren gilt).
Die Konkurrenz im Tonstudiosektor ist groß wie nie. Jeder 14-jährige Schüler mit einem 90 € Firewire Interface, Cubase SX3 und der gecrackten Waves Diamond Bundle nennt sein Kinderzimmer ein “Studio”. Erfahrung, Wissen und Können gelten heute viel weniger als Argument für eine Band, in Studio XY ihre Werke für die Ewigkeit festzuhalten. Der Preis – und oftmals NUR der Preis bestimmt die Aufnahme heute.
Es kommt die Frage auf: Wie überlebt ein Studio von 150 €/Tag bei Mieten von 1000 €/Monat und Equipment im Wert von mehreren 10,000 €? Ganz zu schweigen von der Bezahlung der hochqualifizierten Techniker und Produzenten (mind. 2000 €/Monat)!
Über Ideen, wie die Zukunft der Musikproduktion aussehen wird, bin ich sehr gespannt ! Lasst uns darüber im Blog weiter diskutieren! Einige brennende Fragen:
- Werden zukünftige Musiker (so wie im übertragenden Sinne auch Maler) ihre Werke noch selbst erstellen ?
- Wird jeder Musiker mit rudimentären Kenntnissen und VST-Presets selbst mischen und nur noch auf einen Mastering-Engineer zurückgreifen für den letzten Schliff?
- Werden große Studios doch wiederkommen, weil sich die Musikindustrie erholen wird?
- Werden Homestudios den Tonstudiomarkt dominieren und sich weiter gegenseitig unterbieten?
Ich freue mich über eure Beiträge!
Schließlich noch ein wirklich lustiges Video über den (leider wahren) Alltag eines Mastering Engineers, in der Kontakt eines budgetlosen Musikers mit einem professionellen Tontechniker gezeigt wird. Bitte seht euch dieses Video an, denn es hat viel mit diesem Artikel gemeinsam.
http://www.xtranormal.com/watch/2868571/
Zukunft des Punks?
5. Februar 2010
Käsefondue meets Streamingboom
13. Januar 2010
Donnerstag Nacht, drei Uhr. Das kleine Zimmer ist verqualmt, auf dem Schreibtisch türmen sich leere Bier- und Sektflaschen, der Aschenbecher ist bis zum Anschlag gefüllt und über den Boden kullern kryptische Bleifiguren. Ein angebranntes Käsefondue steht in der Gegend rum und trägt eine eigene Geruchs-Note zu dem Abend bei. Es ist Silvester.
Ungefähr 20 Tanzwütige springen über Couch und Sessel und bewegen sich ausgelassen zu ohrenbetäubender Elektromusik, die aus der Anlage schallt. Am Ende des Zimmers, direkt neben dem Sektflaschenturm, steht ein Notebook. Zwei wild mit den Beinen wippende Partygäste stecken die Köpfe zusammen und spielen DJ. Doch statt über Turntables oder CD-Player, statt per i-Tunes-Playlist oder Mp3-Stick, kommt die Musik heute direkt aus dem Web. Circa zehn Tabs sind geöffnet und es warten verschiedenste Remixes darauf gespielt zu werden. Youtube-Dejaying könnte man dieses Phänomen taufen. Die Datenbank dieses Videoportals hat einfach mehr und vor allem aktuelleres zu bieten, als die Festplatte des Partygastgebers. Musik wird in dieser Nacht gestreamt. Von Youtube, genauso wie bei all den anderen Anbietern. Ob MySpace, LastFM oder Deezer, alle tragen etwas bei zum Silvestersoundtrack.
Und tatsächlich ist besagtes Streaming nicht nur eine Art der Musikrezeption, die Einzug gehalten hat auf verrauchte Privatparty, sondern eine gängige Methode Musik zu hören, es ist etwas Alltägliches. Laut einer britischen Studie der Marktforscher von Music Ally nutzen Kinder und Jugendliche heute immer weniger Tauschbörsen, um an ihre Musik zu kommen. Musik wird stattdessen direkt über Streaming- und Videoportale im Netz gehört. Bei einer Anwender-Befragung stellte sich heraus, dass die Zahl regelmäßiger Tauschbörsen-Nutzer von Dezember 2007 bis Januar 2009 um etwa ein Viertel zurückging. Besonders extrem ist die Entwicklung in der Altersgruppe zwischen 14 und 18 Jahren. Vor etwas über einem Jahr noch gaben 42 Prozent an regelmäßig Filesharing-Plattformen zu nutzen. Jetzt waren es nur noch 26 Prozent.
Ein wichtiger Grund für die Entwicklung besteht darin, dass viele User Songs herunterluden, die sie aus aktuellem Interesse nur ein oder ein paar Mal hören wollten. Nur warum sollte man Musik illegal downloaden, die ohnehin im Netz frei und immer verfügbar ist. Die Streaming-Seiten stellen hier im Vergleich die deutlich bequemere und auch schnellere Alternative dar. Auch die weitere Entwicklung ist abzusehen. Je weiter sich das Internet verbreitet, je leichter dem User der ständige mobile Zugang gemacht wird und je mehr der einzelne Anwender eigene Daten und Programme online abrufbar speichert, desto mehr wird sich auch die Musikrezeption in Richtung der Onlineportale verlagern. Die Musikindustrie freut sich an dieser Entwicklung, denn auf Seiten wie Youtube oder Last.fm sind die großen Plattenfirmen an den Werbeeinnahmen beteiligt.
Den Partygästen ist es egal, ob die Musik gestreamt oder downgeloaded ist. An die schlechte Mp3-Qualität hat man sich längst gewöhnt. Es ist sowieso vor allem laut. Am Neujahrstag finden sich einige der gespielten Tracks als Anhänge von Facebook-Pinnwand-Einträgen im Netz verlinkt wieder. Man erinnert sich. Doch so richtig nachhaltig ist der Musikkonsum über Streaming-Portale wohl nicht. Schnell und neu und aktuell, ja. Aber vieles bleibt ein einmaliges Hörvergnügen, vieles geht verloren, vor allem der Überblick.
Locative Art und psychogeographische Musik
3. November 2009
Ich bin heute mehr oder minder zufällig über das Beatmaps Projekt von Facial Removal Service gestolpert, siehe auch hier für interessante Kommentare und Links. Ich muss sagen, ein sehr inspirierendes Projekt, das man zur Locative Art rechnen kann, was wiederum unter Augmented Reality fällt. Also total hip…
Das Prinzip ist im Prinzip simpel und modernste Technik, die man heutzutage ja an jeder Straßenecke nachgeworfen bekommt (wenn man genügend Euro zurückwirft) macht es möglich: Nehme deine GPS-Koordinaten und bilde sie auf irgendetwas ab zum Zwecke der der Steuerung von irgendetwas. Hier: Beats & Loops, aber man kann natürlich auch alles andere nehmen.
Da kamen doch gleich Visionen bei mir auf, allerdings genau die, die Jesse Stiles und Richard Pell (und vor Ihnen auch schon andere, z.B. AudioNomad) gehabt haben. Vor allem sehe ich aber noch eine mögliche Verbindung mit den Situationisten, die mir gerade viel im Kopf rumspuken, und ihrer Idee von Psychogeographie und dérive, heißt: die bewusste Erfahrung (oder besser Ergehung) des urbanen Raums in seinen psychologischen Dimensionen, generell das Aus-, Um- und Neudeuten von Orten und Archtitekturen, u. a. durch zielloses aber absichtsvolles Herumstreifen und Sich-Verirren.
Also los: Die Stadt wird auf sich überlappende Gebiete abgebildet, die jeweils einem Musikstück entsprechen, die Überlappungen sind Cross-Fading-Zonen. Und dann nehme man ein Streaming- und GPS-fähiges device und streife durch die Stadt, gleichsam geisterhaft begleitet durch den Soundtrack, den eine unbekannte Macht (=eine konspirative musikgeographische Geheimgesellschaft o.ä.) ausgelegt hat. Sagen wir: Elektrotracks in Wilhemsburg, Hiphop in Steilshoop, Jazz in Eimsbüttel, Schlager in Norderstedt, Klassik in der Innenstadt, Punkrock in St. Pauli… (es geht natürlich auch origneller…)
Und so ein System wäre sicherlich auch dazu geeignet, die eigene Playlist in Abhängigkeit davon, wo man sich gerade in der Stadt befindet, automatisch zu generieren.
Wer kann iPhones Apps programmieren?
Remixer aufgepasst!
21. Oktober 2009
Habe gerade eine interessante iPhone Applikation im Netz gesehen.
Angekündigt als “the HOTT!!!-est iPhone music app since t-pain‘s autotune!”
Zunächst muss man sich Musik für diese neue Applikation im zugehörigen FLYP’T-Store online herunterladen und auf dem iPhone speichern. Diese Titel kann man während des Abspielens remixen und eine eigene Version erstellen. Musikbearbeitung erscheint hier eben so intuitiv, wie mit Ableton’s LIVE, dem Serato Scratch, der Akai MPC oder dem Pioneer CDJ-2000, aber sehr abgespeckt. Mit wenigen Tastendrucken ist man in Lage Musik-Samples einzuspielen und zu manipulieren. In dem Promotion-Video klingt das auch alles so, als ob das Programm das gewollte Timing erkennt. Der so entstandene Remix kann auf dem iPhone gespeichert werden. Wenn man die Bearbeitung für so gelungen hält, dass man sie vorzeigen möchte, geht das auch, indem man sie auf der FLYP’T-Seite veröffentlicht. In wie weit die Ergebnisse sich für die öffentliche Wiedergabe in einem Klub eignen ist im Video nicht hörbar. Auch ist unklar, ob eigene Produktionen geladen und verwendet werden können. Als Spielerei für unterwegs ist Flyp’t wohl ganz nett, aber die Musik und den Umgang mit ihr wird wohl nicht revolutioniert.
Angeblich sollen alle grossen Musikfirmen mit an Board dieses Projektes sein, sodass es erst einmal einen Grundstock zum Remixen geben wird. Veröffentlichungstermin soll der 26. Oktober sein. Die App soll $1,99 kosten und Musik gibt’s für $0,99 das Stück.
Die Klangqualität des Videos ist leider schlecht, aber man bekommt einen Eindruck, was mit dieser App möglich ist.
Quellen:
http://www.flypt.net/
http://www.datzhott.com/2009/10/21/the-flyp%E2%80%99t-remix-iphone-app/
http://globalgrind.com/content/1077986/THE-FLYPT-REMIX-IPHONE-APP/
beispiel für neue vermarktungsmöglichkeit
12. Oktober 2009
der allseits beliebte t-pain, der auch häufiger in unseren seminar-runden erwähnt wurde, macht finanziell gesehen offenbar ziemlich viel richtig.
sein alleinstellungsmerkmal “autotune” (das in meinen augen seit kraftwerks vokoderausflügen oder roger troutmans talkbox-jams eigentlich garkeins mehr ist – spätestens aber seit daft punk komplett durch sein soltte) vermarket er seit neuem sehr geschickt in form eines itunes apps.
hier handelt es sich natürlich um ein ziemlich einzigartiges “gimmick”. allerdings kann man natürlich, gerade wenn es soundmäßig noch stärkere spezialisierungen (oder vereinfachungen) gibt, für alle möglichen musikformen hardware/software anbieten:
- spezialanfertigungen der instrumente, die den sound des aktuellen albums “simulieren”
- software die z.b. genau die gitarrenverzerrung des gitarristen simuliert
in meinen augen ist auch ein phänomen zu beobachten, das sich weniger auf die musik bezieht. hier geht es eher um die kleidung, die ja in jedem massentauglicherem “musiktrend” eine rolle spielt. bisher gibt es natürlich schon immer
- merchandise wie z.b. bandshirts
- musiker die eigene klamottenlinien herausbringen
ich habe das gefühl, je spezieller der künstler (oder sollte ich besser entertainer sagen) sich für den moment musikalisch oder visuell präsentiert, umso besser lässt sich dann über die musik hinaus geld verdienen. als beispiel für die visuelle vermarktung an dieser stelle “die atzen”, eine gruppe von berlinern, die nach eigener aussage schlager, techno und rap kombinieren.
sie betreiben einen eigenen onlineshop, wo sie t-shirts, brillen, hosenträger und andere accesoires verkaufen. ihre konzerte werden offensichtlich zu regelmäßig zu einer großen verkleidungsparty, wo man als fan dann vermutlich mit den originalprodukten aufschlägt, bzw. sie vor ort erwerben kann … wer es aushalten kann:
im übrigen hätte ich nie gedacht, dass es eine neue schlagergeneration geben wird. ich dachte immer, das wäre in der generation über uns abgehakt gewesen …
meine these also: je spezieller die idee, der sound oder das aussehen des künstlers umso besser kann er mit “nebenprodukten” geld verdienen.
CwF + RtB = $$$ ???
19. Juli 2009
Ich bin auf einen sehr interessanten Vortrag von Michael Masnick gestoßen, den ich gerne mit euch teilen möchte.
Michael Masncik stellt dabei Nine Inch Nails und deren Mastermind Trent Reznor samt seiner ständig neuen
Vermarktungsmethoden dar.
Dabei kommt Masnick immer wieder auf die Formel :
CwF + RtB = $$$
CwF = Connect With Fans
RtB = Reason To Buy
Masnick beschreibt, dass diese Art der Vermarktung und “Kundenbindung” sowohl für kleine als auch für große Bands
funktionieren kann. Eindrucksvoll zeigt er Reznors Methoden auf, die Zahlen sprechen für sich :
Amazon erklärten 2008 NIN’s Album zum meistverkauftesten Online Album (per Download) >> obwohl das Album auch frei von der NIN Webpage geladen werden konnte
bzw. frei über Torrents (dank creative common license) legal downloadbar war…
Ist das die Zukunft der Musik (industrie) ?
Kevin Kelly, die Kopie und der Musiker
27. Juni 2009
Kevin Kelly, die Kopie und der Musiker
Im folgenden ein Artikel von Kevin Kelly – Wirtschaftsweise, Journalist und “Kopfzerbrecher” über die Zukunft der Technik und des Web (3.0) – über die Entwicklung der Kopie in Industrie bis zur Kopie des Musikstücks und seiner Weiterverarbeitung.
Weiterhin geht er auf die Zukunft des Musikers, seiner Sponsoren und den Musikkonsumenten ein.
Weiter unten sind auch weitere interessante Links zu Kevin Kelly.
Die Zukunft der Musik
Kevin Kelley, notorischer Mitgründer von Wired und Herausgeber der Zeitung Whole Earth, ist mit seinen Büchern “Out Of Control” und “New Rules For The New Economy” eine Art Wirtschaftsweiser der kalifornischen Ideologie geworden und darin oft genug auch kritisiert, gelegentlich sogar missverstanden. In der ökonomischen Pause der New Economy beschäftigt er sich nicht nur mit einer Archivierung seiner kompletten Texte und Bücher auf seiner Webseite, sondern vor allem mit einem Inventar aller biologischen Spezies, seiner Asien Vorliebe und natürlich der Zukunft von Musik.
Kevin Kelley in De:Bug 59
Where Music will be coming from
Technologie verändert Musik. Das war schon immer so. Mit der Erfindung des Pianos vor 300 Jahren drehte sich Musik um Tasten. Die Einführung der Elektrizität im späten 19. Jahrhundert ermöglichte das Aufnehmen und Kopieren von Aufführungen, später dann die Verstärkung der Instrumente. Mit der Digitalisierung beschleunigt sich das Tempo des Umbruchs weiter. Digitale Filesharing-Technologien wie Napster und seine Nachkommen umgehen die etablierte Musikindustrie. Und alles, was wir über digitale Technologien wissen, suggeriert uns, dass Napster erst der Anfang sei.
Technologie und Irritation
Heutzutage gibt es keine Musik, die nicht von der Tatsache beeinflusst wird, dass sie aufgenommen und kopiert werden kann. Die Möglichkeit, Musik zu kopieren, verursachte schon seit dem Grammophon eine tiefgreifende Irritation, wie mit Musik umzugehen sei. Als John D. Smoot, ein Ingenieur der Europäischen Firma Odeon, 1904 primitive Aufnahmegeräte in den Indonesischen Archipel karrte, um die Gamelanorchester aufzunehmen, waren die lokalen Musiker perplex. Warum eine Aufführung kopieren? Die populären Stücke der Gegend hatten eine Halbwertzeit von einigen Wochen. Warum sollte jemand einer verbrauchten Wiedergabe eines alten Stückes zuhören, wenn es so einfach war, an frische, neue Musik heranzukommen?
Als Phonographen sich in der Welt ausbreiteten, hatten sie einen erstaunlichen Effekt: Volksmusik, die sich immer in konstanter Veränderung befand, die sich mit jeder Aufführung und bei jedem Interpreten veränderte, wurde durch die Einführung der Aufnahmetechnik zu fixierten Songs transformiert, die endlos wiederholt werden konnten. Musik wurde kürzer, melodischer und präziser.
Das erste, frühe Equipment konnte viereinhalb Minuten aufnehmen. Also passten Musiker die alten Werke an und kreierten neue, kürzere Musik, die auf den Phonographen zugeschnitten war. Weil die ersten Aufzeichnungen unverstärkt waren, betonten die Aufnahmen den lauten Klang der Sänger und nahmen den der ruhigen Instrumente zurück. Wie der Musikologe Timothy Day bemerkt: “Als Pianisten begannen, ihre Musik aufzunehmen, versuchten sie zum ersten mal sorgfältig im Stück zwischen jeder Achtel- und Sechzehntelnote zu unterscheiden.” Musiker spielten so, wie die Technologie ihnen zuhörte. Als der legendäre Frederick Gaisberg 1902 in Kalkutta ankam, gerade mal zwei Jahrzehnte nach der Erfindung des Phonographen, bemerkte er, dass indische Musiker schon gelernt hatten, aufgezeichnete Musik zu imitieren. Und er lamentierte, dass “keine traditionelle Musik mehr da sei, die man aufnehmen könnte”.
Die Regeln der Kopie
Mit dem Boom der Reproduktionstechnologien im letzten Jahrhundert ging auch ein Konsumenten-Boom einher. Was konsumiert wurde, egal ob in Form von Büchern, CDs oder Coca Cola-Dosen, waren exakte Kopien. Die Möglichkeiten, in verwirrend großer Anzahl endlos und perfekt Kopien herzustellen, war die Hauptzutat der Massenkultur. Musik passte sich sehr schnell dem Kopierkult an. Reproduktionen wurden exakt gemacht, Kopien massiv multipliziert. Musik lebte in ihrer konstanten Reproduktion.
Der große Bruch, den Musik nun zu erfahren scheint, diese Transformation, die Napster sichtbar macht, markiert die Bewegung von analogen zu digitalen Kopien. Das Industriezeitalter wurde von analogen Kopien angetrieben, sie sind perfekt und billig. Das Informationszeitalter dreht sich um digitale Kopien. Digitale Kopien: perfekt, umsonst und beweglich.
Umsonst ist eine Eigenschaft, die man nur schwer ignorieren kann. Sie verstärkt das Kopieren in einer Weise, die vorher undenkbar gewesen wäre. In nur zehn Monaten sind 71 Millionen Kopien der Software “Morpheus” heruntergeladen worden. Und natürlich wird nicht nur Musik umsonst kopiert. Text, Bilder, Filme, ganze Webseiten. In der Online-Welt wird alles, was kopierbar ist, auch kopiert werden: und zwar umsonst.
In dem Moment aber, in dem etwas umsonst und damit überall ist, verkehrt sich die ökonomische Gleichung. Als es noch neu war, nachts Strom zu haben, waren es die Armen, die Kerzen abbrannten. Als Elektrizität leicht erhältlich und fast umsonst wurde, wurden Kerzen beim Abendessen ein Zeichen von Luxus.
In unserem neuen, übersättigten Online Universum freier, endloser digitaler Duplizierung haben sich die Wertigkeiten verschoben. In der industriellen Zeit waren Kopien oft mehr wert als Originale. (Wer wollte den “originalen” Prototyp des Kühlschranks besitzen, aus dem der sich entwickelte, den man in der Küche hat?) Die meisten Menschen wollen den perfekten Klon: Je gebräuchlicher der Klon, desto beliebter, denn nur dann entwickelt sich rings um ihn eine Marke, die von anderen respektiert wird, sowie ein Netzwerk aus Serviceleistungen und Reparaturservices.
Aber nun, in der Online-Welt der unendlich kopierbaren, freien Duplikation hat sich die Ordnung verkehrt. Kopien sind so allgemeingültig, so billig (meistens eben umsonst), dass das einzig Wertvolle das wird, was nicht kopiert werden kann.
Und was kann man nicht kopieren? Nun ja: Vertrauen, Direktheit, Personalisierung. Es gibt keinerlei Möglichkeit, diese Qualitäten von existierenden Kopien herunterzuladen oder sie von der CD eines Bekannten zu installieren. Während man Kopien umsonst bekommen kann, muss man zahlen, wenn man etwas Authentisches, Direktes oder Personalisiertes haben möchte.
Service und Dienstleistung
In der Domäne des “Umsonst” macht Musik das einzige, was ihr übrig bleibt: sie lässt einen für Dinge bezahlen, die nicht leicht zu kopieren sind. Ein entfernter Bekannter wird dir vielleicht die Kopie eines Bandkonzertes rüberreichen, aber wenn du bezahlst, dann wird die Band selbst dir direkt ein paar Sekunden nach der Aufführung selbige zumailen. Sicher, man kann eine Kopie jedes Tracks irgendwo finden, aber wenn du ihn in einem Mix eines legendären DJs haben willst, wirst du dafür bezahlen wollen. Und klar kann jeder eine Kopie von Beethovens 9ter runterladen, aber wenn man sie auf die Audioparameter des eigenen Autos zugeschnitten haben möchte, bezahlt man halt dafür. Oder diese kubanisch-chinesische Rockband, die es neulich auf der Morpheus-Seite gab: Die einzige Möglichkeit, an Meta-Informationen über jeden Track zu kommen, an die Lyrics, Akkordschema etc. liegt darin, eine Beziehung mit ihnen einzugehen, in dem man sie bezahlt.
Die Qualität, an der es einer Welt voller freier Kopien am meisten mangelt, ist Aufmerksamkeit. Jedes Jahr werden mehr als 30.000 neue Alben, CDs usw. veröffentlicht und wieder veröffentlicht und tummeln sich in dem eh schon arg überfüllten Unterhaltungs-Raum des eigenen Kopfes mit neuen Filmen, neuen TV Serien, neuen Büchern, neuen Spielen, neuen Webseiten usw. Egal wie groß der musikalische Appetit sein mag, es gibt einfach nicht genügend Stunden in unserem Leben, um mehr als eine klitzekleine Menge des globalen Angebots an Musik zu hören. Menschen bezahlen tatsächlich, um jemanden zu haben, der für sie diese Musik sondiert, sie ihnen empfiehlt und einem Ausgewähltes in einer amüsanten und einfachen Weise präsentiert. Deshalb werden wohl auch Produzenten, Label und die daran angeschlossene Ökologie der Reviewer, Katalogisierer und sonstige Filter und Führungen weiter einen Job haben. Sie gleichen unseren Zeitmangel für die kommenden 10 Millionen Alben aus, die wir in den nächsten 50 Jahren noch erleben werden. Letztendlich wird allein deshalb in der Domäne des Umsonst eine Menge Musik verkauft werden, weil es einfacher ist, Musik, die man wirklich mag, zu kaufen, als sie zu finden.
Aber “Umsonst” als Schicksal wird überbewertet. Es ist nur die zweite Phase der drei Stadien des Kopierimperiums. Das erste Stadium ist die Perfektion in der analogen und digitalen Welt. Aus perfekten Kopien entstand ebenso die moderne Welt wie die moderne Musik. Das zweite Stadium ist das Freie, das “Umsonst”. Nahezu ohne Kosten zu kopieren, das machte Napster möglich und so etwas wie eine musikalische Revolution denkbar. Aber es ist erst das dritte Stadium der Kopierbarkeit, in dem die eigentliche Revolution liegt: Und diese dritte Kraft liegt in einer neuen, fließenden Beweglichkeit der Daten. Durch sie wird Musik sich viel weiter entwickeln, als wir es uns mit Napster träumen lassen.
Die Beweglichkeit digitaler Daten
Denn digitale Kopien sind eben nicht nur perfekt und umsonst, sondern eben auch besonders beweglich. Ist Musik erst mal digitalisiert, hat sie die Eigenschaften einer Flüssigkeit, die gemorpht, gebogen und verlinkt werden kann. Man kann sie filtern, archivieren, re-arrangieren, remixen, mit ihr herumspielen. Und man kann das mit Musik machen, die man selber schreibt, die man hört oder die man sich borgt.
Es sah zunächst so aus, als wäre die Öffentlichkeit besonders an Onlinemusik interessiert, weil sie “umsonst” ist; in Wirklichkeit aber entstand dieser Rausch auf Grund der Beweglichkeit von digitalisiertem Sound. Erst als es Musik möglich geworden war, in unserem Leben ungebunden herumzuschwirren, entdeckten Millionen von Menschen, die Peer-To-Peer-Software herunter geladen hatten, dass es tausende von magischen Tricks und Kunststücken gibt, die man aufgrund der neuen Mobilität der Musik auf einmal mit ihr anstellen könnte. Es ist nicht nur, dass es umsonst ist; es ist ausschlaggebender, was man mit Musik alles machen kann.
Ist Musik erstmal digitalisiert, zeigen sich neue Verhaltensweisen. Mit beweglicher Musik hatte man die Macht, die Abfolge von Tracks auf einem Album oder zwischen ihnen zu verändern. Dann kam das Morphen von Klängen, bis sie zu einer neuen Situation passten. Man sampelt Noten aus Stücken von jemand anderem und verwendet sie weiter. Man durchleuchtet die Innereien von Musik, skizziert ihre Struktur und verändert sie. Man substituiert neue Lyrics. Man arrangiert Tracks so, dass alle Parts einen neuen Klang bekommen. Man produziert einen Track so, dass er im Auto besser klingt. Man verschmilzt Musik miteinander, dass neue Hybride entstehen; verkürzt ein Stück oder macht es doppelt so lang.
Mit der Digitalisierung wurde aus der Seinsweise der Musik als Substantiv wieder ein Verb.
Mit Musik in der Freizeit spielen
Wäre diese dritte Möglichkeit der digitalen Kopie schon jetzt voll ausgespielt, dann wäre die Welt ebenso voller Menschen, die mit Musik und Sound herumspielen, wie sie Photos schießen und Webseiten basteln. Der typische Skeptizismus gegenüber diesem Szenario musikalischer Kreation und Recycling lautet: es ist immer einfacher, etwas zu lesen als zu schreiben, immer einfacher, etwas zu hören als zu spielen, zu sehen als selber herzustellen. Das wird stimmen, aber hätte einem jemand vor zehn Jahren erzählt, dass normale Leute sich massenweise teure Computer kaufen, um eine Auszeit vom Fernseher zu nehmen und nebenher ein paar Billionen Webseiten herzustellen – nun, den hätte man wohl als Idealisten und Utopisten ausgelacht. Man sagte zwar: Die Menschen sind einfach nicht so kreativ und haben gar keine Lust, sich Zeit für so was zu nehmen. Entgegen dieser Prophezeiung gibt es aber 3 Milliarden Webseiten. Vermutlich ist das Wachstum des Netzes eine der größten kreativen Bewegungen, die unsere Zivilisation je hat beobachten können. Musik könnte es mit einer ähnlich irrational aufblühenden, überwältigenden Masse von Amateurkreativität im positiven Sinn zu tun bekommen.
Ein Grund dafür, warum Menschen Text, Graphik und anderes in der digitalen Welt produzieren, ist mit Sicherheit die Erfindung neuer Tools. Musikfans schieben eh schon Playlists hin und her, remixen Tracks, sampeln Sounds, legen neue Drums unter Musik oder anderes. Sie machen also schon jetzt auf eine Weise Musik, wie man mit einer Kamera Bilder macht: Nehmen, was da ist und einen speziellen Blick darauf werfen. So wie die Einführung der Brownie-Kamera die Photographie von einer Kunst für Experten zu einer weltweiten Ausdrucksform gemacht hat, ist es mit den richtigen Tools in der Hand kein großer Schritt mehr dahin, dass jeder Musik macht. Auf seine Weise.
Die Zukunft des Musikers ist in Bewegung
Sehr viel von der Aufregung um Napster wird als die Frage nach der Zukunft von Musik verkauft. Aber egal was passiert, in der Welt der Zukunft wird es viel Musik geben, die von sehr vielen Menschen gehört werden wird. Die Frage sollte sich weniger um die Zukunft von Musik überhaupt drehen, als vielmehr um die Zukunft des Musikers. Die Rolle des professionellen Musikers ist in Bewegung. Aber auch hier gilt: das war schon immer so.
Die Regeln, um aus Musik einen Lebensunterhalt zu machen, sind seit dem ersten Drumbeat ständig neu erfunden worden. Bis zum 20. Jahrhundert wurden die Musiker in der westlichen Gesellschaft eher verächtlich behandelt, ihr Status war dem eines Vagabunden ähnlich. Selbst den erfolgreichsten Musikern wurde misstraut.
Erst die Aufnahmetechnik verwandelte den Musiker in eine gewöhnliche Profession. Die Aufnahme- und Kopiertechniken verbesserten im letzten Jahrhundert ständig die Rolle, die der Musiker spielen durfte, bis sie heutzutage endlich den Status von Reichen und Berühmten erreichten. Ein paar hundert Jahre vorher haben nur eine handvoll von Musikern davon geträumt. Mozart hatte es nie so gut.
Die Ankunft perfekter, freier und beweglicher Kopien von Musik führt dazu, dass Musiker mit neuen ökonomischen Modellen des Musikmachens konfrontiert werden: Wird das Modell der Zukunft sein, Kopien umsonst zu verschenken, damit man einen Livegig verkaufen kann? Oder wird man so schnell aus dem eigenen Studio die Musik vertreiben, dass kein Filesharingprogramm hinterherkommt? Verkauft man Musik in einer so schönen Verpackung, dass es einfach billiger wird, sie zu kaufen als zu kopieren? Die wahrscheinlichste Antwort: All das, und mehr.
Wenn es eine Lehre aus den Online-Welten gibt, dann die, dass sich die Optionen multiplizieren. Ich würde darauf wetten, dass in den nächsten zehn Jahren junge Bands auftauchen werden, deren Haupteinnahmequelle ihr kommerzieller Sponsor ist. Die Band wird tun und lassen können, was sie will, aber der erste, der eine Option auf die neuen Tracks bekommt, ist der Sponsor, der sie dann für seine Werbung verwerten kann. Der Sponsor bekommt coole, hippe Musik und die Band bekommt über die Werbung ein Auditorium von Millionen. Und was die Firma nicht benutzt, das können die Musiker selber rausgeben, umsonst.
Musik zu produzieren, die weithin angenommen und beliebt ist und nach der die Leute verlangen, ist harte Arbeit. Es mag albern klingen, einem arbeitenden Musiker zu erklären, dass Musik in der Online-Welt weiter bearbeitet, wieder neu kreiert und co-produziert werden wird. Wie kann eine unbegabte Öffentlichkeit etwas erzeugen, dass von vielen geschätzt wird?
Die Antwort könnte zum Teil heißen, dass viele von uns da nicht mitspielen. Es wird immer noch diese seltene Person geben, deren Musik jeder haben will, denn Hitmusiker haben auch eine eigene Form von Ökonomie. Aber die meiste Musik, ähnlich wie in der Fotografie, muss nicht jedem gefallen. Die meisten Fotos werden von Amateuren gemacht und interessieren nur ihre Familien.
Die Zukunft von Musik ist ungewiss, aber was immer sie sein wird, sie wird von Technologie komplett durchdrungen sein. Carver Mead, ein Computerchip-Pionier, empfiehlt uns, auf die “Technologie zu hören”, wenn wir wissen wollen, wohin sie sich bewegt. Und wenn wir das tun, dann könnten wir folgende Möglichkeiten bemerken:
- Songs selber sind billig; was teuer werden wird, sind indizierbare, also durchsuchbare offizielle Lyrics.
- Auf Auktionsseiten werden Musikliebhaber aktive Playlisten kaufen und verkaufen, die hunderte von Tracks in einer kreativen Sequenz arrangieren. Die Listen sind Templates, die Songs auf der eigenen Festplatte neu sortieren.
- Man wird private Label abonnieren, deren Agenten die Clubs durchkämmen und aus dem Angebot das herausfiltern, was den eigenen Präferenzen entspricht.
- Die populärsten Bands der kommenden Zeit werden vor allem sehr gute “Jingles” produzieren, so wie die besten Regisseure zur Zeit vor allem gute Werbung produzieren.
- Eine generative Box erzeugt Background Musik, die den eigenen Vorlieben entspricht. Die Musik kommt von Drittanbietern, die die Orginaltracks von den Musikern kaufen.
- Wer Tanzmusik liebt und gerne auflegt, kauft Versionen von Tracks, die auf alle einzelnen Spuren Zugriff liefern.
- Du bezahlst deine Lieblingsband dafür, dass sie dir ihr Konzert streamt, während es läuft, obwohl du es hinterher eh noch irgendwo umsonst runterladen könntest.
- Die Menge an Musikstilen wird weiter explodieren. Sie entstehen schneller, als man sie benennen könnte, so dass sich eine Art Dezimales Dewey System entwickelt, das man jedem Track anhängt, um ihn kategorisieren zu können.
- Für eine kleine Menge Geld werden die Produzenten deines Stars dir seine Performance genauestens an die Akustik deines Wohnzimmers anpassen.
- Es gibt so viele Remixversionen von einem Hit im Netz, dass man gerne die 5 $ ausgibt, um die offizielle “authentifizierte” Version zu bekommen.
- Für Bands, die touren, wird das Umsonst-Herausgeben von Musik so etwas wie eine billige Form der Werbung sein. Je mehr sie ihre Musik in Umlauf bringen, desto mehr Leute sind auf ihren Konzerten.
- Die Musiker mit dem höchsten Status sind die, die einen eigenen Stream ihrer Musik auf einem 24-Stunden-Kanal im Web haben.
- Musiksammlungen (wie Fotosammlungen), die keinerlei Lizenzgebühren haben, gibt es für jeden Gebrauch. Sie werden mit der Erfindung einer Musiksearchengine explodieren, die wirklich “ähnliche” Musik finden kann.
- Die bestverkauften Formate für Musiker werden “Whole Package Deals”, in denen Video Clips, Liner Notes, einzelne Remixspuren von Tracks, Reviews, Anzeigen und Artwork alle zusammen auf einem limitierten, gut designten Medium versammelt sind.
- Egal ob man mit ein wenig Aufwand umsonst und in dem Format jeden Track runterladen kann, man wird sie bei seinem Lieblingsshop im Netz kaufen, einfach weil er so wunderbare Searchengines hat und so vertrauenswürdige Tips, so dass das Einkaufen eine einfache, sichere und angenehme Erfahrung sein wird.
Letzendlich ist die Zukunft von Musik einfach: mehr Auswahl. Und während die Möglichkeiten von Musik expandieren, verbessern unsere sich gleich mit.
Kevin Kelley
Weitere interessante Links zu Kelly…
folgender Artikel im Original-PDF plus weitere interessante Artikel:
www.de-bug.de/share/debug59.pdf
Youtube-Videos mit Kevin Kelley:
http://www.youtube.com/watch?v=1S0-S36pMo4
http://www.youtube.com/watch?v=J132shgIiuY
http://www.youtube.com/watch?v=ap-ZC21bk18
bedeutendes Tech-Magazin, welches Kevin Kelley 1993 mitbegründete:
Spiegel-Online-Interview mit Kelley über Menschen und Roboter:
www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,249766,00.html
BK , 27.06.2009

