Zunächst muss man sich Musik für diese neue Applikation im zugehörigen FLYP’T-Store online herunterladen und auf dem iPhone speichern. Diese Titel kann man während des Abspielens remixen und eine eigene Version erstellen. Musikbearbeitung erscheint hier eben so intuitiv, wie mit Ableton’s LIVE, dem Serato Scratch, der Akai MPC oder dem Pioneer CDJ-2000, aber sehr abgespeckt. Mit wenigen Tastendrucken ist man in Lage Musik-Samples einzuspielen und zu manipulieren. In dem Promotion-Video klingt das auch alles so, als ob das Programm das gewollte Timing erkennt. Der so entstandene Remix kann auf dem iPhone gespeichert werden. Wenn man die Bearbeitung für so gelungen hält, dass man sie vorzeigen möchte, geht das auch, indem man sie auf der FLYP’T-Seite veröffentlicht. In wie weit die Ergebnisse sich für die öffentliche Wiedergabe in einem Klub eignen ist im Video nicht hörbar. Auch ist unklar, ob eigene Produktionen geladen und verwendet werden können. Als Spielerei für unterwegs ist Flyp’t wohl ganz nett, aber die Musik und den Umgang mit ihr wird wohl nicht revolutioniert.
Angeblich sollen alle grossen Musikfirmen mit an Board dieses Projektes sein, sodass es erst einmal einen Grundstock zum Remixen geben wird. Veröffentlichungstermin soll der 26. Oktober sein. Die App soll $1,99 kosten und Musik gibt’s für $0,99 das Stück.
Die Klangqualität des Videos ist leider schlecht, aber man bekommt einen Eindruck, was mit dieser App möglich ist.
“Es ist nicht verwunderlich, dass Musikfans die Bereitschaft verlieren, Musik legal zu erwerben, wenn aktuelle Veröffentlichungen so gnadenlos überkomprimiert sind, dass selbst der größte Fan abschaltet. Bei den Red Hot Chili Peppers (z.B. “Stadium Arcadium”) ist auf der CD die natürliche Dynamik der Band nicht mehr zu hören, während die tolle Drum-Performance des Garbage Schlagzeugers völlig verzerrt zu hören ist (“Bleed Like Me”). Madonna (“Hard Candy”) macht agressiv und führt auf Disko-Anlagen zu Verzerrungen. Bei Metallica (“Death Magnetic”) bleibt die Aussteuerungs-Nadel gleich permanent im roten Bereich! Das Gleiche geschieht mit dem vermeintlichen Qualitätskriterium Surround. Neun von zehn mit Surround ausgezeichnete Veröffentlichungen klingen schlechter als der originale Stereomix oder sind billige Upmixe mit Surround-Simulation – keine Voraussetzung, dem Musik-Hörer ein neues High-Resolution-Format auf Blu-ray-Basis anzubieten.” (Auszug aus der Webseite der Pleasurize Music Foundation, eigene Übersetzung)
Der so genannte Lautheitskrieg oder im Englischen “Loudness War” ist einer der am häufigsten diskutierten Trends in der modernen Musikproduktion. Während Künstler und Labels auf immer mehr Lautheit (lautere Mixe) drängen, macht sich Friedemann Tischmeyer auf, mit seiner Pleasurize Music Foundation für Aufklärung bei Musikern, Labels und Verantwortlichen zu sorgen und diesem zerstörerischen Trend entgegenzuwirken.
Was ist der Lautheitskrieg (siehe Video)?
“The Loudness War designates the senseless competition between record companies which involves releasing music with increasingly high amounts of compression (the “compression” of dynamic levels so that originally quiet passages are as loud as the loudest parts of a song). This results in products which are increasingly obtrusive in order to fight for the listener’s attention. ” (Auszug aus der Webseite der Pleasurize Music Foundation)
“Die Pleasurize Music Foundation hat im Januar 2009 ihre Arbeit aufgenommen und ist eine Non-profit-Organisation mit Sitz in Kalifornien. Unser Ziel ist die qualitative (klangliche) Aufwertung von Musik in ihren unterschiedlichen Formaten. Hierzu gehören Tonträger aller Art ebenso wie Radiowiedergabe und Datenreduktionsverfahren wie mp3. Nur Musik, die auch ein positives Hörerlebnis bietet, ist ihren Preis wert. Wir stärken mit dieser Aufwertung den Wert der Musik im kreativen Schöpfungsprozess in der „Nahrungskette“ der Musikindustrie. Ziel ist, die Bereitschaft zu erhöhen, für hochwertige Musik gerne Geld auszugeben und so für alle kreativen Beteiligten des Entstehungsprozesses von Musik einen gesünderen Nährboden zu schaffen.”
Tatsächlich habe ich gerade gelesen (und es selbst noch nicht überprüfen können), dass Norah Jones “Come With Me” soll doppelt so laut sein (in RMS gemessen) wie Nirvanas “Nevermind”… Da hat sich der gute Charles Dye (Mixing Engineer für Aerosmith, Bon Jovi, Shakira etc.) wohl gedacht: Das kann so nicht bleiben! Ich gründe mein eigenes Gütesiegel für dynamikreiche Platten: “Turn Me Up!” http://www.turnmeup.org/
Charles Dye hat auch schon das “grandiose” Livin La Vida Loca vom spanischen Hüftkreisweltmeister Ricky Martin gemischt. Laut Eigenaussage bedauert er heute, dass er damals schon dem Mastering Engineer Ted Jensen den Mix so laut anlieferte, dass dieser besagte Mastering Engineer noch heute für zu lautes Mastering gerügt wird. Dabei war das Charles Dyes Schuld , wie er heute selbst zugibt. Mit “Turn Me Up” wird Künstlern die Chance gegeben, ihr Werk als dynamisch auszuweisen, und dem Hörer zu sagen: Hier ist nichts falschgelaufen – Ich, der Song / das Album bin / ist nicht kaputt Mach mich einfach lauter. Dies soll dazu führen, das Künstler sich nicht mehr scheuen müssen, “leiser als die Konkurrenz zu sein”. Meiner Meinung nach ist das eine hervorragende Idee, die ich auch an viele Künstler weiterleiten werde.
Die “Realität”
Dank vieler Diskussionen um das Thema Loudness War, sind die meissten jungen Engineere darauf bedacht, wieder geschmackvolles Mastering anzubieten. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass übermasterte Produktionen in Masteringkreisen immer schnell an den Pranger gelangen. Man schaue sich nur in einschlägigen Foren um, etwa bei GEARSLUTZ.COM die “rate my mix”-Sektion. Zu laute Master werden partout als “handwerklich schlecht” deklariert. Die Engineers der jüngeren Generation haben anscheinend bereits verstanden, was “zu laut” ist.
Aber haben das die Labels, Künstler und Plattenfirmen auch verstanden ? Letztlich bestimmen diese, was auf den Markt gelangt. Produzenten und Engineers sind dabei eher die Dienstleister, die Folge zu leisten haben…
Ich empfehle, das Interview mit Mastering Guru Friedemann Tischmeyer anzuhören. Interessantes und Kurioses aus der Welt des Masterings Unter anderem wird das Dynamic Range Metering vorgestellt, Tipps zum dynamischeren Mischen/Mastern gegeben.
Achtung: 1 Stunde!! Tipp: Vorspulen zu Minute 2, um lästige Programmansagen zu überspringen.